15. Oktober, 2010 von Jugendredaktion

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Für mich ist es unglaublich, dass schon eineinhalb Monate vergangen sind, seitdem wir alle von dem deutschen Teil des Austauschprogramms Go Africa… Go Germany… der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zurückgekehrt sind.
Jeder von uns ist wieder in seinem Alltagsleben angekommen und geht entweder wieder seiner Arbeit nach, in die Universität, oder wie ich, zurück zu seinem Praktikumsplatz. Auch wenn mich der normale Alltag wieder zu schnell eingeholt hat, stehe ich trotzdem im regen Kontakt mit vielen Teilnehmern des Programms. Wir tauschen Fotos aus und schreiben uns E-Mails, um weiterhin am Leben des anderen teilhaben zu können.
Bis wir uns alle im März 2011 wieder treffen, machen wir uns zu dem Thema Gedanken, wie junge Menschen aus Südafrika und Deutschland zusammenarbeiten können. Diese Frage ist auch ein wichtiges Anliegen unseres Projekts. Eine Möglichkeit der Kooperation wäre z.B. der Aufbau eines gemeinsamen Unternehmens oder Projekts. Es ist sehr spannend mehr Informationen über dieses Thema herauszufinden und sich mit den Ideen der anderen Mitglieder unserer Gruppe auszutauschen. So hätte ich beispielsweise nicht gedacht, dass in Deutschland verhältnismäßig wenige Unternehmen von altersmäßig jungen Menschen gegründet werden. Dabei sind doch gerade diese für die Entwicklung eines Landes wichtig, da sie unter anderem neue Impulse sowohl für den einzelnen Betrieb, als auch für das ganze Land bringen. Ein Grund für diese Entwicklung könnte sein, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht optimal sind, denn verständlicherweise haben viele junge Menschen Angst, durch eine Unternehmensgründung ihr Geld zu verlieren.
Neben dem Aspekt des Risikos ist es oftmals gar nicht so einfach, eine passende Idee zu finden und dann ein Konzept zu entwickeln. Ich kann mich selber beispielsweise nicht erinnern, dass wir jemals in der Schule über unternehmerische Selbständigkeit geredet haben – vielleicht sollte sich auch im Bereich der Schulbildung einiges ändern. Es wird jedenfalls spannend werden, mehr zu dem Thema zu lesen und ich freue mich schon darauf, die Ideen, Einfälle und Vorschläge der anderen Mitglieder unseres Projekts vorgestellt zu bekommen.
Von Yolanda Zahn
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09. September, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Zurück in Köln diskutierten wir das Thema „Unabhängigkeit der Medien in Deutschland“ mit Prof. Dr. Andreas Dörner, der Universität Marburg. Er erläuterte uns die Aufgaben der Medien, welche in der Bildung, Information und der Unterhaltung liegen.
Über ihre Geschichte erfuhren wir, dass wir in Deutschland seit 1984 ein duales Rundfunksystem haben. Dabei wurde der Markt, zusätzlich zum öffentlichen Rundfunk, auch für private Medien geöffnet. Die Tatsache, dass sich die privaten Sender durch Werbung finanzieren, führt zu einer starken Ausrichtung auf den Unterhaltungsaspekt, welcher mit einem Konkurrenzkampf um Zuschauerzahlen verbunden ist. Professor Dörner nannte diese Entwicklung als eine „Tyrannei der Mehrheit“ und es stellt sich allgemein die Frage ob die Medien nicht oft ein verfälschtes Bild zeigen, besonders in Bezug auf Afrika. Vielleicht sollte jeder einmal die Frage stellen, wie realistisch uns das Bild von Afrika in den Medien präsentiert wird.
Das Programm geht weiter… Im März 2011 in Südafrika und Swaziland
Für mich waren die letzten drei Wochen unglaublich lehrreich und führten dazu, dass ich begann, mein Afrika-Bild zu überdenken und Wissenslücken zu füllen. Der Kontakt zu den Projektteilnehmern aus den verschiedensten Ländern Afrikas und die gemeinsamen Erlebnisse waren eine unvergessliche Erfahrung. Diese intensive Zeit hat uns in der Gruppe eng verbunden, wir haben alle sehr viel gelernt, erlebt, gelacht und diskutiert. Ich habe bereits eine Sms von meiner Freudin Ndeshi aus Namibia erhalten, die mir schreibt, wie sehr sie die letzen Wochen genossen hat und dass sie sich schon jetzt auf unser Wiedersehen freut – mir geht‘s genauso!
Im März 2011 werden wir deutschen Teilnehmer zur zweiten Phase des Programms Go Afrika…Go Germany… der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nach Südafrika und in das Swaziland aufbrechen. Ich bin mir sicher, dass es eine weitere Erfahrung wird, auf die ich mich schon jetzt freue.
Von Yolanda Zahn
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08. September, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Eine ca. eineinhalb stündige Busfahrt von Köln entfernt, liegt das malerische Dorf Monreal. Der beschauliche Ort befindet sich inmitten des schönen Elztals, in der Eifel, am Fuße einer Burgruine. Durch das schöne Ortsbild, die vielen Fachwerkhäusern, gelegen an einem kleinen Bach, wurde Monreal als „schönstes Dorf Deutschlands“ ausgezeichnet. Seitdem strömen viele Touristen nach Monreal, was für das Dorf eine wichtige Einnahmequelle bedeutet. Diese Auszeichnung hat jedoch die Bedingung zur Folge, dass keine Veränderungen am Ortsbild vorgenommen werden dürfen.
Ein weiteres beeindruckendes Ziel war die Burg Eltz, welche im Gegensatz zu vielen anderen Burgen nie verwüstet oder erobert wurde und somit unversehrt die Kriege überstand. Auch hier profitierten wir von einem exzellenten Burgführer, welcher uns durch die Gemächer führte, viel erklärte und interessante Interpretationen der vorhandenen Bilder gab. Diese Aktivitäten schildern ein wenig das abwechslungsreiche Programm, welches wir in den letzten Wochen erleben durften.
Von Yolanda Zahn
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07. September, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Es ist einfach kaum zu glauben, dass der deutsche Teil des Go Africa…Go Germany… Programms der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nun schon zu Ende ist. Die Woche in Köln verging wie im Flug und nun haben sich die Teilnehmer und Organisatoren wieder in den verschiedensten Ländern verstreut.
In der letzten Woche in Deutschland, meinte es das Wetter leider nicht so gut mit uns. Als wir unsere Stadtbesichtigungs-Tour durch Köln starten wollten, begann mal wieder ein Regenschauer; jedoch hatte der Anblick des Doms unter einem Regenbogen auch etwas ganz Besonderes. Wir erfuhren, dass abends ein Orgelkonzert im Dom stattfinden sollte und nutzten diese Gelegenheit, nochmals in den Dom zurückzukehren. Da viele von uns nicht regelmäßig in die Kirche gehen, ist uns die Orgelmusik nicht so vertraut, doch desto beeindruckender war der Klang im riesigen Kirchenschiff, welcher noch eine ganze Weile nachhallte.
Religion in Deutschland
Die Vorträge zum Thema Religionen in Deutschland haben mich sehr beeindruckt. Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), hatte selbst Theologie studiert. Er leitete die Diskussion mit Rolf Domning, von der evangelischen Kirche und Dr. Georg Schwikart, von der katholischen Kirche. Deutschland ist ein christlich geprägtes Land, jedoch halten sich mittlerweile nur noch etwa ein Fünftel der Menschen für gläubig. Durch die Vorträge angeregt, kamen einem die Gedanken, wie man selber zu Gott steht und warum es eigentlich Protestanten und Katholiken gibt, wenn doch beide an den gleichen Gott glauben? So wurde einem wieder deutlich, dass sich trotz des gemeinsamen Glaubens, katholische und evangelische Kirchen doch sehr unterscheiden. Die katholische Kirche ist zentral geprägt, mit ihrem höchsten Kirchenoberhaupt, dem Papst im Vatikan, welcher die globalen Grundsätze vorgibt. Die evangelische Kirche dagegen ist auf dem Grundsatz der Gewaltenteilung aufgebaut und wird von Rolf Domning als „Spiegelbild der Gesellschaft“ beschrieben. Interessant waren die Diskussionen in der Gruppe, vor allem zu den Themen Abtreibung und Homosexualität. Auch die Ansichten unserer afrikanischen Stipendiaten gingen hier weit auseinander. Einige erzählten uns, dass in ihrem Kulturkreis gleichgeschlechtliche Partnerschaften häufig verachtet oder gar verboten werden. Teilweise drohen Geldstrafen und in manchen Ländern sogar die Todesstrafe. Kaum ein afrikanischer Mensch würde es wagen sich als schwul bzw. lesbisch zu bekennen. Einige der afrikanischen Teilnehmer sagten uns, dass sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften als unnormal empfänden und sich durch deren Anwesenheit gestört fühlten, was zwischen uns zu Diskussionen führte. Homosexuelle werden von der Gemeinschaft ausgestoßen. Ein Ausschluß aus der Gesellschaft hat in der afrikanischen Kultur sehr viel stärkere Konsequenzen, als in unserer europäischen.
Nicht nur zu diesem Thema unterschieden sich die Ansichten. Bei weiteren Diskussionen in der Gruppe wurde mir bewusst, dass beispielsweise die Gestaltung des christlichen Gottesdienstes sehr vielfältig ausfallen kann. Sabiti aus der Demokratischen Republik Kongo berichtete von sehr fröhlichen und lebhaften Kirchgängen, bei denen die Gemeinde zusammen tanzt, feiert, klatscht und singt. Ich habe vor einigen Jahren selbst einmal Weihnachten in einem afrikanischen Land verbracht, was ein großes Erlebnis war. Normalerweise bin ich von Deutschland ein eher ruhiges und besinnliches Familienfest gewohnt, doch dort ging es sehr heiter zu, mit Tanz, Musik und sogar mit knallenden Feuerwerken.
Ein weiteres Ereignis war der Vortrag von Rabeya Müller. Die deutsche Islamwissenschaftlerin, muslimische Theologin und Religionspädagogin berichtete uns, dass sie vom katholischen Glauben zum Islam konvertierte. Sie kritisierte vor allem, dass es lange Zeit keinen islamischen Religionsunterricht in Deutschland gab und dieser auch heute noch nicht flächendeckend eingeführt ist. Dadurch geben die Familien ihre eigenen Traditionen weiter, was zu vielfältigen Entwicklungen islamischer Gruppen führt. Die Idee eines einheitlichen religionsübergreifenden Religionsunterricht an Schulen, fand ich besonders faszinierend. Auf diese Weise würden alle Schüler ein umfassenderes Wissen über die verschiedenen Religionen erhalten, was die Akzeptanz und das Verständnis für andere Glaubensrichtungen verbessern könnte.
Von Yolanda Zahn
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02. September, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Eine große Erfahrung war für uns alle der Nachmittag, welchen wir in Zweiergruppen als eine Art „Mini-Praktikum“ in verschiedenen Projekten verbrachten. Neben einer Zeitungsredaktion, einer Aids-Organisation, dem Bundestag und einem türkischen Gemüsehändler, gingen Teams auch ins Männergefängnis, zur Polizei, einem Altersheim oder zur Berliner Tafel. Interessant waren die oft komplett unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen den afrikanischen und den deutschen Teilnehmern; so verglich eine afrikanische Stipendiatin das Männergefängnis mit einem Hotel, in dem sie nicht das Gefühl hatte, dass die Gefangenen „bestraft“ würden, während die deutsche Teilnehmerin von eher deprimierenden Eindrücken sprach und eine erfolgreiche Reintegration der Gefangenen in Frage stellte. Auch beim Bericht zum Polizeibesuch mussten viele von uns deutschen Teilnehmern schmunzeln, als uns erzählt wurde, dass unser afrikanischer Freund die Polizisten vor allem nach Korruption und Überfällen ausgefragt hatte.
In Berlin arbeiteten wir abermals in unseren kleinen Gruppen an unserem gemeinsamen wissenschaftlichem Papier und versuchten uns ein genaueres Bild über die Vorgehensweise zu den einzelnen Themen zu machen.
Am kommenden Tag war wieder ein Kontrastprogramm angesagt und wir besuchten einen Milchbauern, welcher mit über 600 Kühen eine Milchfarm nach ökologischen Prinzipien betreibt. Der Hof beeindruckte uns mit den hoch-technisierten Einrichtungen und den Erfindungen sehr und zeigte wie gut durchdacht ein Milchbauer arbeiten muss um erfolgreich zu sein. Großen Glück hatten wir, weil wir ausgerechnet bei unserem Besuch eine Geburt eines kleinen Kälbchens miterleben durften, das von der Gruppe auf den Namen „Africa“ getauft werden durfte.
Einen musikalischen Abschluss von Berlin bot uns ein Vortrag zur deutschen Jugendkultur und zur Wahrnehmung afrikanischer Musik in Deutschland. Nach einer kurzen Diskussionsrunde machten wir uns auch schon auf den Weg zum Flughafen Richtung Köln. Wir hatten die Zeit in Berlin und die Vielfältigkeit der Stadt alle sehr genossen.
Als nächstes wird Köln unsicher gemacht…
Nun freuen wir uns auf die kommenden Woche in Köln und wissen, dass uns wieder ein intensives und interessantes Programm erwarten wird.
Von Yolanda Zahn
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01. September, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Die Woche in Berlin begann genauso ereignis- und abwechslungsreich wie die Erste und wir freuten uns alle auf die Hauptstadt Deutschlands. Das schwüle Wetter und ca. 30° erstaunte viele afrikanische Stipendiaten sehr, da sie nicht gedacht hatten, dass es in Deutschland überhaupt so heiß werden kann. Bei einer umfangreichen Stadttour konnten wir Berlin näher kennen lernen und bekamen anschließend eine individuelle und spannende Führung durch das Parlament.
Am nächsten Tag tauchten wir in die preußische Geschichte ein und genossen in Potsdam einen geführten Spaziergang durch den Park des Schlosses Sanssouci.
Der deutsche Sommer zeigte sich nun leider wieder von der regnerischen Seite, davon ließen wir uns den Spaß jedoch nicht verderben und wir begannen das Berliner Nachtleben zu erkunden. Bei einer Reggae-Party kamen die afrikanischen Tanzkünste zum Vorschein. Das vielfältige Berliner Nachtleben erkundeten wir auch an den folgenden Abenden und die Gruppe fand sich schon bald in einem durchaus originell eingerichteten Elektro-Club wieder.
Empfang beim Bundespräsidenten
Ein großes Highlight in Berlin war in jedem Fall der Empfang beim Bundespräsidenten Christian Wulff im Schloss Bellevue. Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erläuterte Herrn Wulff wie wichtig das Programm Go Africa… Go Germany… ist, was dieses zu einer deutsch-afrikanischen Partnerschaft beitragen kann und zwei unserer Stipendiaten trugen eigene Erfahrungen vor, bevor wir noch die Möglichkeit bekamen, Fragen an den Bundespräsidenten zu stellen.
Ein weiteres großes Ereignis war der Besuch im Auswärtigen Amt, wo wir Meinungen einiger Botschafter hörten, Fragen stellen konnten und es zu einem guten Austausch kam, bezüglich einer deutschen oder europäischen Afrikapolitik und wir die betreffenden Richtlinien des Auswärtigen Amt kennenlernen konnten.
Als wir bei einem weiteren Vortrag das Thema der aktuellen Wirtschaftssituation in Deutschland behandelten, kam es zu einem interessanten Austausch über die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Exporten, die Probleme, welche durch die föderale Struktur entstehen, Veränderungen der globalisierten Welt und die Frage nach der weiteren Öffnung der Wirtschaft gegenüber Entwicklungsländern.
Soziale Projekte in Berlin
Einen abwechslungsreichen und spannenden Nachmittag verbrachten wir im Theater Ramba-Zamba, welches mit körperlich und geistig behinderten Menschen arbeitet. Mehr als 60 Schauspieler und Schauspielerinnen mit und ohne sogenannte geistige und andere Behinderung spielen in diesem eindrucksvollen Theater mit. Die Gründer Gisela Höhne und Klaus Erforth kämpfen unter anderem für die Anerkennung der Spieler als professionelle Künstler.
Desweiteren waren wir alle sehr von einem weiteren sozialen Projekt, der Kriseneinrichtung BUK, beeindruckt. Der Leiter der Einrichtung für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren erzählte uns eindrucksvoll von seiner alltäglichen Arbeit, den Problemen und den Hintergründen der Jugendlichen, welche aus dem Elternhaus fliehen, teilweise wegen Vergewaltigung, Drogen oder anderen Problemen.
Das deutsche Bildungssystem und der Besuch der Regenbogenschule in Berlin-Neukölln
Der Besuch in der Regenbogenschule im Berliner Stadtteil Neukölln war für uns alle eine weitere bedeutende Erfahrung. Wir hospitierten in einzelnen Klassen, verbrachten die Pause mit den Schülern und hatten anschließend eine interessante Diskussion mit einer Lehrerin und der Direktorin. Die Schule befindet sich in einem Stadtteil, wo der größte Teil der Familien nicht-deutscher Herkunft ist und die Kinder oftmals bei der Einschulung fast kein deutsch sprechen. Die Lehrerin erzählte uns, dass sie sich oftmals mehr als Sozialarbeiterin fühle und schilderte uns die Problematik des deutschen Bildungssystems. Kinder, welche das Glück haben, Eltern mit akademischen Hintergrund zu haben, profitieren von besseren Bildungschancen und erreichen eher das Abitur als andere. Schon mit der Geburt ist somit oft die Zukunft vorprogrammiert. Dies lässt die Frage über einen gerechteren Zugang zu Bildung in Deutschland aufkommen. Unser dreigliedriges Schulsystem macht den Wechsel von Hauptschule bis zum Gymnasium sehr schwierig und wir sollten uns beispielsweise über Gesamtschulen Gedanken machen. Die frühe soziale Auswahl ermöglicht keine gleichen Bildungschancen und das föderale Bildungssystem in Deutschland ist als möglicher Hemmungsfaktor kritisch zu betrachten. In kleinen Gruppen durften wir in verschiedenen Klassen hospitieren.
Bei einem anschließenden Vortrag zum Thema Bildung und Ausbildung in Deutschland kam es wieder zu einem regen Austausch mit unseren afrikanischen Freunden, welche den Zugang zu Bildung hauptsächlich zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten unterscheiden.
Eine zweite öffentliche Podiumsdiskussion wurde vom Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, Thomas Krüger moderiert. Zum Thema der aktuellen Herausforderungen der deutschen Politik äußerten sich Swen Schulz (SPD), Marina Schuster (FDP), Rita Süssmuth (CDU) und Hans-Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen) und es kam anschließend zu einem guten Austausch mit den Referenten und den Zuhörern.
Von Yolanda Zahn
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31. August, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Neben den Vorträgen und Diskussionen hatten wir auch die Möglichkeit, die Arbeit des Bayerischen Rundfunks kennenzulernen, was ein großes Highlight war. Wir hatten die Gelegenheit hinter die Kulissen zu schauen, das Mittagsmagazin live zu erleben und Fragen wie beispielsweise zum Einfluss der Medien, zur öffentlichen Meinungsbildung oder auch Unabhängigkeit der Medien zu diskutieren. Anschließend konnten wir bei einer kulturgeschichtlichen Stadttour durch München die Stadt kennenlernen. Wir genossen bei wunderbarem Wetter die Fraueninsel im Chiemsee und überzeugten einige unserer afrikanischen Freunde, sich mit uns in das kalte Wasser zu wagen. Unser abwechslungsreiches und intensives Programm beinhaltete außerdem eine Gondelfahrt in die Bergwelt und einen Spaziergang an der Kampenwand.
Erstaunt waren viele afrikanische Teilnehmer über das traditionelle Bierfest im kleinen bayerischen Dorf Bernau. Bei diesem Fest wurden unerwartete Gemeinsamkeiten entdeckt, wie beispielsweise die Wichtigkeit der Beibehaltung von Traditionen in Bayern, als wir die traditionellen Tänze, wie den Schuhplattler die traditionelle Blasmusik und Trachten bestaunten. Doch auch für viele Teilnehmer aus dem nördlichen Teil Deutschlands waren die bayerischen Traditionen neu. Diese erste Woche im Kloster Seeon war ein wunderbarer und geeigneter Rahmen, damit die Gruppe zusammenfinden konnte. Als wir im Flugzeug nach Berlin saßen hatten wir alle das Gefühl, dass wir uns schon sehr viel länger kennen. Das gemeinsame Lernen und die anschließenden Diskussionen sowie die Gespräche zwischendurch, ließen ein enges Band zwischen uns entstehen.
Von Yolanda Zahn
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30. August, 2010 von Jugendredaktion

Foto: Yolanda Zahn
Es ist kaum zu glauben, dass es nun schon zwei Wochen her sind, dass die 26 Stipendiaten der vierten Generation des Programms Go Africa… Go Germany… der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb das erste Mal aufeinander getroffen sind. Die Hälfte der Teilnehmer kommt aus Deutschland und die andere Hälfte aus Südafrika, Simbabwe, Sambia, Malawi, der Demokratischen Republik Kongo, Ghana, Namibia, Madagaskar, und Mauritius. Als eine der deutschen Teilnehmerinnen kann ich schon jetzt von einer unglaublich lehrreichen, interessanten, und intensiven Zeit berichten. Ich habe in den letzten zwei Wochen eine ganz neue Wahrnehmung von einzelnen Ländern Afrikas bekommen und einen tollen Austausch mit den afrikanischen und den deutschen Teilnehmern erleben dürfen.
Zusammenfinden der Gruppe im Seminarhotel Seeon
Die erste Woche haben wir gemeinsam im Seminarhotel des Klosters Seeon verbracht, wo wir als Gruppe schnell zusammengefunden haben. Wir begannen den ersten Seminartag mit Vorträgen zur deutschen Geschichte und hatten die Möglichkeit uns mit mehreren Geschichtsprofessoren auszutauschen und Fragen zu stellen. Die Gespräche wurden am Mittags- oder Abendtisch weitergeführt und es kam gleich von Anfang an zu einem regen Austausch. Zum besseren Kennenlernen spielten wir das interkulturelle Spiel Bafa Bafa, bei dem sich zwei unterschiedliche Kulturen begegnen und ohne gegenseitiges Wissen aufeinanderprallen.Wir hatten sehr viel Spaß dabei, aber lernten auch, dass es teilweise zu Missverständnissen zwischen den spielenden Kulturen kommen kann.
Gemeinsames Lernen und Erleben
In den darauffolgenden Tagen lernten wir mehr über das politische System Deutschlands, Gesundheits-, Sozial und auch über die Rentenpolitik. Anschließend kam es immer zu anregenden und sehr interessanten Diskussionen mit den Experten, Professoren als auch untereinander wie beispielsweise bei der Betrachtung der grundlegend unterschiedlichen demographischen Entwicklungen Deutschlands gegenüber vielen afrikanischen Ländern und Diskussionen zur Familienpolitik.
Es ist längst nicht so, dass nur unsere afrikanischen Freunde viel dazu lernen, sondern auch für uns deutsche Teilnehmer sind die Vorträge, Diskussionen und vor allem der Austausch mit den Experten, sowie die Meinungen der afrikanischen Teilnehmer unglaublich interessant und fruchtbar.
Zur öffentlichen Podiumsdiskussion mit dem Thema der Afrikapolitik in Deutschland war unter anderem Hans-Jürgen Beerfeltz vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Botschafter Matthias Müller aus dem Auswärtigen Amt, Dr. Ulrich Golaszinski der Friedrich-Ebert-Stiftung, Dr. Stefan Mair vom BDI (Bundesverband der deutschen Industrie) und Prof. Franz Nuscheler der Universität Duisburg-Essen vertreten, was uns einen guten Einblick in die verschiedenen Ansichtsweisen gab und interessante Diskussionen entstehen ließ.
Im Rahmen des Austauschprogramms Go Africa… Go Germany 2010/11 der Bundeszentrale zur politischen Bildung arbeiten wir als Gruppe an einem gemeinsamen wissenschaftlichen Bericht welcher am Ende unseres Programms an den Bundespräsidenten übergeben wird. In diesem Jahr geht es um das Thema “Jugend-Unternehmerschaft in Deutschland und Afrika-Entwicklung durch Partnerschaft“. Wir teilten uns hierzu in drei kleinere Gruppen auf, welche in den kommenden Monaten zusammen arbeiten werden.
Von Yolanda Zahn
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22. März, 2010 von Jugendredaktion
Wir waren beim Staatspräsidenten John Atta Mills und sind im nationalen Fernsehen!“
Beim Austauschprogramm “Go Africa… Go Germany…” auf Initiative des Bundespräsidenten Horst Köhler lernen zwölf deutsche und zwölf afrikanische Studenten den jeweils anderen Kontinent zur besseren Verständigung über Kultur, Gesellschaft und Politik kennen. Nachdem die Stipendiaten im Sommer vergangenen Jahres durch Deutschland und Brüssel reisten, fahren sie nun gemeinsam nach Ghana und Nigeria: Gemeinsam setzen sie hier den Austausch über aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen fort. Bereits zum dritten Mal in Folge findet das Stipendiatenprogramm auf Initiative von Bundespräsident Horst Köhler in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb statt. Während des dreiwöchigen Austauschs in Westafrika treffen die Studierenden politische Entscheidungsträger, Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft, Wissenschaftler und Journalisten in Ghana und Nigeria.
Mit dabei ist auch die Bonner Studentin Constanza Zähringer. Sie hatte sich zuvor mit einem Essay für das Programm qualifiziert. In einem exklusiven Blog für ticker4u berichtet sie direkt aus Ghana und Nigeria von ihrer Reise:
Ghana, Accra. Ich bin später gekommen. In Deutschland fiel bei meiner Abreise noch Schnee. Hier in Accra, der Hauptstadt Ghanas, schlägt mir eine unglaubliche Luftfeuchtigkeit entgegen. Der Rest der Gruppe hat einen vollen Tag mit Besuch beim Staatspräsidenten, im Kofi Annan International Peacekeeping Training Center und beim deutschen Botschafter hinter sich. Sie glühen vor Begeisterung. Ich werde von meinem „Buddy“ Lilli aus Ruanda begrüßt. Große Wiedersehensfreude!
Wir haben uns zuletzt im August 2009 gesehen, beim ersten Teil des Go Africa… Go Germany Programms der Bundeszentrale für politische Bildung. Beide waren wir damals glücklich darüber für das Programm, das eine Initiative des Bundespräsidenten Horst Köhler ist, ausgewählt worden zu sein. 12 Afrikaner und 12 Deutsche treffen sich und lernen für 5 Wochen gemeinsam. Der Teil in Deutschland war schon super! Wir haben zusammen in der Nähe von München, in Berlin, Köln und Brüssel viel erlebt und eine abwechslungsreiche, intensive Zeit genossen. Jetzt freue ich mich auf 19 Tage in Ghana und Nigeria.
Zwischen Politik, Gender-Fragen und bunten Märkten
Am dritten Studientag steht das politische System Ghanas im Fokus. In den vergangenen Tagen haben wir einen riesigen Staudamm, welcher zur Gewinnung von Elektrizität genutzt wird, besucht. Wir haben Accra erkundet und viel über die hiesige Wirtschaft gelernt. Heute wird der erste Vortrag von dem Vater von Coretta, einer Teilnehmerin, gehalten. Er ist Professor an der Universität von Accra. Wir müssen schmunzeln. Es wird klar, warum Coretta so schlagfertig ist, bei dem Vater…
Anschließend steht eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Politiker der vier im Parlament von Ghana vertretenen Parteien liefern sich einen Schlagabtausch zu Armutsbekämpfung, der Verwendung von Ölgeldern und Parteiphilosophien. Interessant , dass die Sprecher der kleinen Parteien besser geschult erschienen, als die der großen.
Endlich am Nachmittag haben wir einige Stunden seltener Freizeit. Ich gehe mit Freunden zum Markt. Ein lebhafter Ort, voller Gerüche, Lärm und Menschen. Ich weiß nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Da die Mutter die das Kind stillt, dort die Ziegen, die verscheucht werden, dazwischen kleine Öfen, um Essen zuzubereiten und der Verkauf allerlei Dinge und großer Lärm. Manchmal hat mich Traurigkeit überfallen. Die ganzen Kinder, die hier arbeiten und so viele Lasten auf den Kopf laden, dass wir Deutschen nur staunen können, werden niemals zur Schule gehen. Ohne Ausbildung werden sie immer Lastenträger bleiben, um ihr Überleben zu sichern. Wer hier zu den Glücklichen zählt, trägt um diese Uhrzeit noch seine Schuluniform. Ich erlebe die Ghanesen als sehr freundlich. Sie heißen uns Fremde willkommen, wollen lediglich mit uns ein gutes Geschäft machen. Insbesondere die Kinder werden ganz verrückt vor Freude, wenn man sie fotografiert und ihnen anschließend das Bild zeigt. Völlig müde war ich nach diesem Ausflug auf den Markt, der sich über mehrere Straßenzüge zieht.
Viel Zeit zum Ausruhen gab es nicht. Abends erwartete uns noch einen Vortrag über „Frauen in Westafrika“. Es gibt 51 % Frauen in Ghana. Dennoch hatten wir im Rahmen des politischen Teils morgens nur Männer reden hören. Dafür ergriffen nun drei sympathische Feministinnen das Wort. Eine von ihnen, mit einem bemerkenswerten Volumen, veranlasste uns mit ihr zu Singen und durch Körperübungen unseren Kreislauf wieder in Schwung zu bringen, bevor wir über die Entwicklung von Frauenrechten, Gender-Fragen und die Position der Frauen in Westafrika unterrichtet wurden.
Am Ende blieb als Frage des Tages: Haben Männer eine zu dominante Stellung in Ghana? Mal sehen, ob ich die noch beantworten kann.
Constanza Zähringer
Kumasi, Ghana, 21.03.2010 „Don’t cross your legs. You disrespect the chief.“ „Entschuldigung“, antworten wir überrascht und stellen unsere Füße nebeneinander.Wir sitzen im Manhyia Palace und nehmen am Adae Festival teil. Um uns herum toben Trommeln, eine Frauengruppe, die singt und tanzt und lauter traditionell gekleidetes Gefolge eines Ashanti Königs.
Das Gefolge ist in traditionelle Gewänder gehüllt, die mich an Indien und Ghandi erinnern. Besonders beeindruckend ist der Chef-Exekuteur. Er tanzt über den Hof, bedeckt von einer Leoparden-Kappe und in den Händen einen Säbel, den er im Takt der Musik in den Schaft stößt. Dem Spektakel, das wie aus einer anderen Welt anmutet, war ein Vortrag über das „Chief-System“ in Ghana vorangegangen und die gleiche Professorin erläuterte uns auch, warum die Frauen so herausgeputzt sind. Das Festival ist „ time to show off“. Unsere „Go Africa… Go Germany…“-Gruppe hat gute Plätze ergattert. Während die Ghanesen einfach ihren Gebräuchen nachgehen, sind die anwesenden Touristen von einer erstaunlichen Aufdringlichkeit, die an Paparazzi erinnert. Das Mittagessen, das für uns vorzüglich vorbereitet ist und vor den Toren des Palastes in Kühlboxen bereit steht, bleibt mir mehr oder weniger im Halse stecken, bei den ganzen Kinderaugen, die jeden Gabelbissen mit den Augen mitverfolgen, bis er im Mund verschwindet. An diesem schlechten Gefühl ändert sich auch nichts, als sie sich die Reste teilen. Einem unserer Teilnehmer werden in dem Gedränge 100 Cedi, ca. 50 Euro, aus der Hosentasche geklaut. Er bleibt gelassen. Er könne das verstehen, an einem Ort, wo die Kinder sich von den Resten anderer ernähren.
Ich selbst bin immer wieder beeindruckt von der Dichte des Programms: An einem Abend hören wir den erwähnten Vortrag zum „Chief-System“, am Abend zuvor haben wir über die Börse von Ghana diskutiert. Dann werden wir über das Ashanti-Gold unterrichtet. Kurz darauf werden wir in Bergarbeitermonturen gepackt und marschieren in den Schacht unter Tage, wo einige von uns sogar Probe bohren. Im Hinterkopf haben wir dabei noch die Diskussion über das umfangreiche –natürlich freiwillige- Sozialprogramm der Mine und die vorbildliche Umweltarbeit. Warum hat man uns bei all diesen Wohltaten dann eigentlich das Gespräch mit anwesenden jungen Trainees verweigert?
Constanza Zähringer
Lagos –City of Excellence. Auf jedem Nummernschild prangt uns das Motto des Bundesstaates Lagos in Nigeria entgegen. Ich habe genug Zeit alles genau zu beobachten. Wir stecken im Verkehr von Lagos. Nach unserer Stadtrundfahrt mit Bus und Boot sollte das Hotel „just around the corner“ sein. Das bedeutet im Verkehr von Lagos stundenlang nur Meter für Meter voran zu kommen. Der Gouverneur von Lagos versucht die Lage durch die Einführung insbesondere von Linienbussen zu verbessern; wohl auch mit Auge darauf, dass Lagos schon 2015 eine Megacity sein wird. Lagos war uns als häßlicher, chaotischer Platz angekündigt worden, die Presseberichterstattung in Deutschland – Unruhen in Jos mit vielen Toten und die Auflösung des Kabinetts – hätten fast zu einem Abbruch der Reise geführt. Hier merken wir nichts davon. Die Lagune von Lagos mit ihren vier Inseln ist unbeeindruckt und bislang sind alle Teilnehmer des „Go Africa… Go Germany“-Programms unter Federführung der Bundeszentrale für politische Bildung begeistert von Nigeria. Erstaunt hat uns deshalb der aktuelle Spiegel-Online-Bericht über Nigeria, der im Zusammenhang mit der Kabinettsauflösung, Rebellen in Kampfmontur zeigt. Eine Irreführung des Lesers, die mit dem was wir vor Ort erleben nichts zu tun hat.
Mich erinnert Lagos an Berlin nach dem Mauerfall. Eine Stadt im Aufbruch voll von Potenzial und Leidenschaft. Es gibt vieles zu verbessern, sicherlich, man kann vielleicht nicht alles erreichen, aber der Wille ist da. Das zeigen auch die ehrgeizigen Pläne gerade zur Verbesserung der Verkehrssituation, welche uns in einer Diskussionsrunde vorgestellt werden. Nach erfolgreicher Umsetzung 2020 würde Lagos verkehrstechnisch aussehen, wie Berlin oder Istanbul.
Auch das leidige Ölthema geht nicht an uns vorbei. Ein Vertreter aus dem Niger-Delta, wo gerade wieder vier Deutsche entführt wurden, erläutert uns die Strategie der Rebellen. Die Rebellen wollen Aufmerksamkeit für ihre Problematik gewinnen, die darin besteht, dass die Bevölkerung des Niger-Deltas von den reichen Ölvorkommen nicht profitiert, sich vielmehr vernachlässigt fühlt. Dafür haben sich zwei Ansatzpunkte als hilfreich erwiesen. 1. Die Entführung von Ausländern bewegt die internationale Gemeinschaft und führt zur Involvierung von fremden Regierungen. 2. Die Sabotage der Ölförderanlagen rüttelt die Regierung in Abuja wach. „Es gibt nahezu keine journalistische Berichterstattung aus dem Niger-Delta,“ erläutert uns ein nigerianischer Journalist. Erst die Entführungen haben zu kritischen Nachfragen und Konfrontation geführt.
Lagos – auch wie Berlin – Hort der Kreativität und der Künste. Hier sammelt sich Nollywood, die nigerianische Antwort auf die amerikanische Filmszene. Produktionen laufen in 1-2 Wochen von Band und drängen auf den Filmmarkt. Künstler, mit denen wir zusammen Abend essen, beklagen sich über die fehlende Organisation der Künstlergemeinschaft. Keine „GEMA“, keine Agenten, CDs, die für umgerechnet einen Euro über die Ladentheke gehen, wie soll das die Qualität gesichert werden? Die bekannten nigerianische Sängerin Yinka Daviês, die auch schon in Köln aufgetreten ist, lässt sich von unserem Betteln zu einem Jazz-Ständchen drängen.
Am Tag zuvor wurde der Abend mit der „Crown Troupe of Africa“ abgerundet. 17-23jährige, die tanzen und singen und dabei höchst professionell und satirisch die Probleme und Fragen Nigerias aufgreifen. Die Diskussion anschließend ist wieder von Aufbruchstimmung und dem Wunsch nach Vereinfachung geprägt. Es soll leichter sein, den gewünschten Studienplatz zu erhalten, es soll leichter sein sich zu vermarkten, es soll einfacher sein seinen Traum zu leben.
Ladies und Gentlemen, verabschieden wir uns von dem Bild, dass Afrika ein Hort des Elends oder der romantischen Sonnenuntergänge ist. Es ist so viel mehr!
Constanza Zähringer
Nigeria das Land der Gegensätze. Fassungslos bemerke ich die mit Solarstrom betriebenen Straßenlaternen in Abuja. Der Gegensatz könnte nicht größer sein. Die letzten Tage waren wir in Kano im Norden von Nigeria. Dort gilt die Scharia, die Bevölkerung ist zu 80% muslimisch. Unserer Aufenthalt wurde geprägt von einem deprimierenden Besuch in zwei Almajiri-Schulen. Diese Schulen nehmen Schüler ab einem Jahr auf und unterrichten ausschließlich den Koran. Etwa 100 Kinder saßen auf engsten Raum und guckten uns mit großen hoffnungsvollen Augen an. In Schach gehalten wurden sie durch wahllose Ruten-Schläge in die Menge, wenn sie versuchten auf uns Besucher zuzustürmen. Auch die Gebetskette des Malams fand für diese Disziplinierung Verwendung. Die Kinder werden morgens unterrichtet, nachmittags werden sie auf die Straße geschickt, um Spenden für ihre Ernährung zu „erbetteln“. Ein Teil davon bringen sie dann ihrem Lehrer mit. Es gibt 2 Mill. Kinder, von einer Gesamteinwohnerzahl von 10 Mill., die in Kano diese Schulen besuchen. Während ich dies schreibe fällt der Strom aus, heute ist das schon einmal passiert, als ich im Aufzug war. Dies verschmerzt man gerne, wenn man bedenkt, dass diese Kinder auf blankem Boden zu 20 in einem kleinen Raum schlafen. Die Fenster sind so groß, dass gerade die notwendige Luft zum Atmen hineinkommen kann. Die wenigen Habseligkeiten sind in Plastiktüten unter die Decke gezogen. Nackte Lehmwände und die Vorstellung von diesen Kindern und ihren Lebensaussichten treiben einen die Tränen in die Augen. Wir haben einen Sack Reis mitgebracht, wir möchten am liebsten unzählige dalassen. Die nächste Schule übersteigt die gerade gemachte Erfahrung. Hier ist nicht der Stock allgegenwärtig, dafür sind die Lebensumstände noch bedrückender. Es gibt kein Wasser. Alles Wasser muss gekauft werden, mit der Konsequenz, dass die Kinder selten duschen und dreckig und armselig gekleidet sind. Es gibt genügend Tafeln, um Koranverse zu schreiben. Es fehlt dahingegen jegliche Form sanitärer Anlagen. Durch den Hof fließt ein Dreckrinnsal, welches sowohl die Toilette der Kinder ist, als auch als Duschort dient, sowie sämtliche sonstige Abfälle aufnimmt. Der damit einhergehende Geruch ist beträchtlich. Die Schlafhütten würde bei uns in Deutschland jeden Tierschutzverein auf den Plan rufen und eine Welle der Entrüstung auslösen. Hier sind die Lehmhütten ohne Fenster und dem dreckigen Boden, jeweils Schlafstätte für 6-7 Kinder. Und doch muss man auf die Lichtblicke schauen. z.B. gibt es Mädchen in der Schule und die Kinder freuen sich an den Besuchern. Die Schönheit Kanos tritt, welche tief verwurzelt ist mit der Hausa-Tradition, hinter diesen Eindrücken zurück. Und so sehe ich die Farben auf dem Markt und den prächtigen Polizeireiter, der uns entgegen gesprengt kommt, auch die beeindruckende Stadtmauern, die sogar den Briten stand gehalten hat und höre die diversen Vorträge, aber ich kann diese Momente nicht wie üblich wertschätzen.
Über Zaira, wo wir den 1000 Jahre alten Emir-Palast besuchen dürfen und islamische Kultur und Gastfreundschaft erfahren, fahren wir in einer Tagesreise mit dem Bus nach Abuja. Abuja, die Hauptstadt, ist nach dem chaotischen Lagos und dem konservativen Kano, eine fast unwirkliche Hauptstadt, mit riesigen Prachtvillen. Sie wurde in den letzten 30 Jahren komplett aus den Boden gestampft und ist Zentrum der Macht, der Ministerien und eines Präsidentenpalastes, der so abgeschirmt und verborgen liegt, dass man ihn nicht sehen kann. Die Stadtplanung hat breite Straßen und lange Fluchten vorgesehen. So erinnert die Anordnung von Kathedrale und Moschee, sowie Finanzministerium und Nationalbank irgendwie an Washington. Die Stadt ist geplant, nicht gewachsen; eine Demonstration der Macht. Herausragend ist eine Diskussionsrunde zur aktuellen politischen Herausforderung und die Behandlung der Fragen zur Energiepolitik.
Schneller als wir es uns alle Wünschen kommt der Abschied. Eine Party am Pool, lässt uns die dritte Generation des „Go Afrika … Go Germany…“ -Programmes noch einmal zusammen kommen. 24 Fremde aus Afrika und Deutschland sind Freunde geworden. Einige Unterschiede bleiben unüberwindbar, wie etwa die Diskussion zur homosexuellen Frage gezeigt hat. Insgesamt haben wir viel voneinander gelernt. Ich selbst bin angetan von Ghana und begeistert von Nigeria und freue mich schon auf ein Wiedersehen. Es gibt noch sehr viel zu entdecken.
Constanza Zähringer
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