Aus alt mach neu!
26. August, 2010 von annedeventer
Ungefähr 7 Millionen Tonnen gebrauchte Möbel landen jährlich auf dem Müll und werden verbrannt. Das brachte Forscher der Universität Dortmund auf die Idee, diesen Überschuss an alten Möbeln zu nutzen. Wir trafen uns mit Herrn Dr. Fleischhauer vom Institut für Umweltforschung der Uni Dortmund, der uns die Idee erklärte. Frei nach dem Motto „Aus alt mach neu“ wurde ein Konzept entwickelt, um entsorgte Möbel aufzuarbeiten bzw. brauchbare Bestandteile zu neuen Möbeln weiter zu verarbeiten. Nach und nach wurden unter anderem die ecomoebel GmbH und das Portal www.Zweitsinn.de gegründet.
Möbel, die eine Geschichte erzählen könnten
Designer, Werkstätten, Entsorgungsbetriebe und Forscher kooperieren erfolgreich und tun damit in vielerlei Hinsicht Gutes: Durch das Recyceln der gebrauchten Möbel muss weniger Abfall entsorgt werden und die bei der Verbrennung anfallenden Schadstoffe werden vermieden. Die Werkstätten bekommen neue Arbeitsaufträge und setzen Menschen mit Behinderungen oder Jugendliche in der Produktion der Möbel ein.
Gebrauchte Möbel sparen außerdem CO² ein, das bei der Herstellung eines komplett neuen Möbelstückes anfallen würde und leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz. Und natürlich nicht zu vergessen: Die glücklichen Kunden freuen sich am Ende über ihre einzigartigen Möbel, von denen jedes Stück ein Unikat ist und eine kleine Geschichte über seinen Vorbesitzer zu erzählen hätte, wenn es sprechen könnte.
Mittlerweile ist aus der Idee ein großer, nützlicher Kreislauf entstanden: Die Rohstoffe werden von Entsorgungsbetrieben zur Verfügung gestellt, die Ideen kommen von Designern und viele weitere Projektmitarbeiter sorgen für das Marketing und den Vertrieb. Als Hauptziel des Projektes stand anfangs der Umweltaspekt an erster Stelle, es wird den Kunden aber auch immer wichtiger, individuelle Möbel abseits der Massenware zu besitzen. Die Möbel-Kunstwerke können unter anderem im Onlineshop auf www.Zweitsinn.de oder direkt im Laden (z.B. in Hagen und Iserlohn) bewundert und erworben werden.
Die Nachfrage ist teilweise größer als das Angebot
Ein besonders beliebtes Möbelstück ist das Regalsystem „Frank“, das von Oliver Schübbe, einem bekannten Recycling-Designer aus Herford, entworfen wurde und im Werkhof in Hagen aus gebrauchten Holzplatten hergestellt wird. Ca. 20.000 Stück wurden von der stylischen Regalkonstruktion schon verkauft. Bei „Frank“ ist die Nachfrage manchmal sogar größer als das Angebot und Kunden müssen teilweise mit Wartezeiten rechnen, da die Werkstätten kaum mit der Produktion nachkommen. Doch das Warten wird mit innovativem Design belohnt.
Entworfen werden die Möbel von bekannten Designern, aber auch von Designstudenten. Einmal im Jahr haben sogar Schüler die Möglichkeit, unter die Designer zu gehen. Sie können ihre Entwürfe für innovative Gebrauchsgegenstände oder Möbel aus entsorgten Materialien im Rahmen eines Schülerwettbewerbes einreichen. Die Schüler zeichnen, basteln Modelle oder bauen direkt fertige Produkte. Der Siegerentwurf wird professionell produziert und der Gewinner darf sein hergestelltes Werk wahlweise behalten oder zum Verkauf zur Verfügung stellen.
Vielleicht fällt euch ja auch etwas Tolles ein, das man aus gebrauchten Dingen herstellen könnte?
Tags: Ecomöbel, Möbel, Umwelt, Zweitsinn
Kategorien: Kultur, Kunst



