15. Juli, 2010 von redaktion
Ganz leicht macht es einem der Staat nicht: Wer Bafög bekommen will, muss erstmal einen Papierkrieg bewältigen und ein paar Fristen beachten. Aber die Arbeit lohnt sich häufig. Selbst wenn die Eltern gut verdienen, hat man Chancen auf Bafög. Die wichtigsten Fragen:
Lohnt sich ein Bafög-Antrag überhaupt?
„Es sollte auf jeden Fall ein Antrag gestellt werden. Nur so bekommt man raus, ob ein Anspruch auf Bafög besteht“, sagt Helga Abtt-Schmidt vom Studentenwerk Heidelberg. Im vergangenen Jahr haben laut Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 29 Prozent der Studenten Bafög bekommen. „Aber viele verschenken Geld, weil sie glauben, sie würden ohnehin nichts kriegen. Aber selbst, wer nur 100 oder 200 Euro im Monat bekommt, kann zufrieden sein und muss dafür nicht kellnern gehen“, sagt Abtt-Schmidt.
Was hat das Einkommen der Eltern mit dem Bafög zu tun?
Das Bafög hängt entscheidend vom Einkommen der Eltern ab, die ein Formblatt zu ihren Einkommensverhältnissen ausfüllen müssen. In der Regel gilt: „Wenn die Eltern weniger als 33 000 Euro netto im Jahr zur Verfügung haben, wird Bafög gewährt“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks.
Wie viel Bafög bekomme ich?
Das hängt von vielen Faktoren ab. Im Durchschnitt bekamen Bafög-Empfänger im vergangenen Jahr laut Studentenwerk 430 Euro im Monat. Einen ersten Anhaltspunkt bieten Bafög-Rechner im Internet. „Aber da kommen oft falsche Ergebnisse raus“, warnt Abtt-Schmidt.
Bis wann muss der Bafög-Antrag abgeben werden?
„Am besten sollte man den Antrag schon im Juli stellen, damit das Bafög pünktlich zum Studienbeginn im Oktober ausgezahlt wird“, sagt Jana Greiner vom Studentenwerk in Dresden. Spätestens sollte der Antrag in dem Monat eingereicht werden, in dem das Studium beginnt, denn Bafög wird nicht rückwirkend gezahlt.
Was kann passieren, wenn ich beim Antrag ein bisschen schummele?
Das kann fatale Folgen haben. „Seit 2004 gleichen die Bafög-Ämter ihre Daten automatisch mit dem Finanzamt ab“, sagt Sina Groß, Autorin des Buchs „Clever studieren - mit der richtigen Finanzierung“. Im Extremfall drohen Vorstrafen. „Das kann beispielsweise Juristen oder angehende Lehrer die Karriere kosten.“
Steuert das Bafög-Amt etwas zu meiner Miete bei?
Ja. Wer nicht bei den Eltern wohnt, bekommt 146 Euro im Monat.
Wie viel darf ich nebenher verdienen?
„Studenten ohne Kind können über Ferien- und andere Nebenjobs 4800 Euro im Jahr verdienen, ohne dass das Bafög bekürzt wird“, sagt Sina Groß. Wer mehr verdient, bekommt weniger Bafög.
Wie viel Geld darf ich auf dem Konto haben?
„Ein Student muss zuerst seine Ersparnisse einsetzen, um sein Studium zu finanzieren“, sagt Groß. Die Grenze liegt bei 5200 Euro. Wer mehr hat, bekommt kein Bafög, bis das gesparte Geld aufgebraucht ist.
Muss ich das Bafög irgendwann zurückzahlen?
Das Bafög wird zur Hälfte als Zuschuss gezahlt, aber der Rest ist ein zinsloses Darlehen und muss zurückgezahlt werden. Etwa fünf Jahre nach dem Ende des Studiums wird die erste Rate fällig, meist etwas über 100 Euro pro Monat. „Aber wenn jemand sein Studium besonders gut oder ungewöhnlich zügig abgeschlossen hat, kann das Verwaltungsamt dafür bis zu 2560 Euro vom Schuldenberg abziehen“, sagt Groß. Dies gilt auch, wer sein Darlehen besonders schnell zurückzahlt.
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14. Juli, 2010 von redaktion

Mit dem Studium beginnt ein neuer Lebensabschnitt - Freundschaften müssen sich beweisen. Foto: dpa
Start in der Unistadt birgt viel Neues. Er konfrontiert den Erstsemestler aber auch mit der Frage: Wie kann ich meine alten Freunde in mein neues Leben integrieren? Über Hunderte Kilometer getrennt zu sein, überlebt nicht jede Freundschaft.
Als Johanna die Zusage für ihren Studienplatz bekam, musste alles ganz schnell gehen. Im Nachrückverfahren konnte sie sich an der Universität im 370 Kilometer entfernten Ilmenau (Thüringen) einschreiben. Nur eine Woche blieb ihr, um den Umzug zu organisieren und sich von ihren Freunden in Cochem an der Mosel zu verabschieden.
Nicht aus den Augen verlieren
Das Leben in der Unistadt stellte sie nicht nur vor das Problem, neue Freunde zu finden, sondern auch davor, den alten Freundeskreis nicht aus den Augen zu verlieren. „Ich habe versucht, zu vier Personen engeren Kontakt zu halten, meist per Internet oder Handy“, erzählt die 24-Jährige.
Das neue Leben mit dem alten in Einklang zu bringen, war gar nicht so einfach. Viel Zeit für Besuche in der Heimat blieb Johanna nicht, hinzu kamen die Kosten von rund 180 Euro für eine Hin- und Rückfahrkarte mit der Bahn.
Mit manchen Freunden konnte sie die neuen Erlebnisse in Ilmenau teilen, andere hatten gar keinen Bezug dazu: „Man sucht sich ja eine Basis, zu der beide was sagen können. Meist ist das der gemeinsame Freundeskreis oder die alte Schulstufe. Über die Probleme, die ich am Anfang an der Uni hatte, konnte ich nur mit einer Freundin reden, die selbst studiert hat.“
Auf dem Laufenden halten
Die alten Freunde ständig auf dem Laufenden zu halten, kann schnell anstrengend werden:„Wichtige Sachen sollte man natürlich erzählen, aber zwangsläufig wird sich die Freundschaft qualitativ verändern“, sagt Regina Jucks, Professorin für Sozialpsychologische Grundlagen von Erziehung und Unterricht an der Universität Münster.
Das bedeutet: Es muss etwas Neues hinzukommen, was beide verbindet. Immer nur in alten Erinnerungen schwelgen, reicht für die Freundschaft nicht mehr aus.
Den geringsten Haltbarkeitswert haben Kontakte, die aus einer Tätigkeit heraus entstanden sind: „Wenn man sich mit jemandem immer nur zum Sport getroffen hat, kann man das natürlich nicht fortführen, wenn man wegzieht“, erklärt Jucks.
Im dritten Semester
Oft kristallisiert es sich erst im zweiten oder dritten Semester heraus, welche Freundschaft Bestand hat und welche nicht:„Im ersten Semester erleben die Studenten viel Neues, aber alles ist noch etwas oberflächlich“, schildert Eva-Maria Orgel von der psychologisch-psychotherapeutischen Beratung des Studentenwerks Berlin ihre Erfahrung.
Erst danach fingen viele der Studenten an, sich innerlich von den Freunden zu Hause zu entfernen. Wer mit dem anderen jedoch einschlägige Erlebnisse verbindet - überwundener Liebeskummer, der gemeinsame Urlaub, die gemeisterte Prüfung -, schafft einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund, der nicht so einfach kompensiert werden kann.
„Auf je mehr Bausteinen eine Freundschaft basiert, desto größere Chancen hat sie, zu überleben - auch bei einer größeren Entfernung“, sagt Jucks. Die Freundschaften in der Heimat müssen jedoch kein Ausschlusskriterium für neue Bindungen sein: Auch aus dem anfangs oberflächlichen Kontakt zum Referatspartner kann sich ein enges Verhältnis entwickeln.
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01. März, 2010 von redaktion

Studieren: Wie teuer ist das eigentlich? Anfänger sollten die Finanzen weitsichtig klären. Foto: dpa
Ein Studium zahlt sich auf lange Sicht aus. Akademiker verdienen später in der Regel besser als andere und sind seltener arbeitslos. Bis zum Abschluss ist es aber ein langer Weg.
Angehende Studenten dürfen dabei auch den finanziellen Aufwand eines Studiums nicht unterschätzen. Studienabbrecher scheitern oft an Geldsorgen. Daher gilt es, die Kosten des Unilebens realistisch abzuschätzen und die Finanzierung frühzeitig zu klären.
Im bundesweiten Schnitt haben Studenten 770 Euro monatlich in der Tasche, wie das Deutsche Studentenwerk (DSW) in Berlin errechnet hat. Umgerechnet auf ein sechssemestriges Bachelorstudium sind das rund 28000 Euro. Bis zum Master kommen so gut 46 000 Euro zusammen, wenn man zehn Semester zugrundelegt.
Studiengebühren bei Rechnung bedenken
„Diese Rechnung ist allerdings ohne Studiengebühren gemacht“, gibt DSW-Präsident Prof. Rolf Dobischat zu bedenken. Wer Gebühren an die Uni überweisen muss, hat noch einmal bis zu 1000 Euro pro Jahr an Extrakosten.
Der Kauf eines Notebooks oder ein Sprachkurs bedeuten aber weitere Ausgaben, die die Statistik nicht erfasst. Bei Studienbewerbern kommt daher schnell die Frage auf: Kann ich mir das Studium eigentlich leisten? „Man muss sich einschränken, ganz klar“, sagt Christian Staier vom Sozialdienst des Studentenwerks in Göttingen.
Am besten fährt, wer sich frühzeitig um finanzielle Hilfen kümmert - etwa das Bafög. Rund ein Viertel der Studenten in Deutschland hat 2008 die staatliche Förderung erhalten, 398 Euro im Monat wurden dabei laut dem Statistischen Bundesamt im Schnitt gezahlt.
Auch mit den Eltern sollte rechtzeitig über Geld gesprochen werden. Neun von zehn Studenten würden von ihnen unterstützt, erläutert Dobischat. Mit durchschnittlich 448 Euro im Monat trügen sie den Großteil der Studienkosten. Wer gemeinsam mit seinen Eltern einen Finanzierungsplan ausarbeitet, sollte aber realistisch bleiben. Wichtig sei, neben den Grundkosten wie Miete, Kleidung und Essen auch individuelle Bedürfnisse einzurechnen. Der Mensch lebt schließlich nicht vom Brot allein.
Weiter bei Eltern wohnen?
Grundsätzlich sollten Studenten auch in Betracht ziehen, bei ihren Eltern zu wohnen, sofern die Uni in der Nähe ist. „Der größte Ausgabenposten im Studium ist immer noch die Miete“, erläutert Dobischat. Wer für den akademischen Abschluss in eine andere Stadt umzieht, guckt also besser vorab einmal auf die dortigen Mietpreise.
Sie sind in Städten wie Hamburg, München oder Köln in der Regel wesentlich höher als in Kiel, Koblenz oder Chemnitz. Sparen kann laut Dobischat auch, wer ein Zimmer im Wohnheim bezieht. Das kostet inklusive aller Nebenkosten durchschnittlich nur 200 Euro.
Daneben sollte die Wahl auf eine Stadt fallen, deren Lebenskosten erträglich sind, rät Florian Kaiser vom Dachverband der Studentenschaften in Deutschland (fzs) in Berlin. Abzuwägen sei auch, in einem Bundesland zu studieren, das keine Studiengebühren verlangt - sofern das gewünschte Fach dort angeboten wird. Auf das gesamte Studium gesehen können so bis zu 5000 Euro eingespart werden.
Wenn das Geld nicht reicht
Wenn das Geld trotzdem nicht reicht, suchen sich laut DSW zwei Drittel der Studenten einen Nebenjob. Dem eigenen Geldbeutel tut das zwar gut, den Leistungen an der Uni mitunter aber nicht, gibt Staier zu bedenken. „Die straffer organisierten Bachelor- und Masterstudiengänge werden hier sicher zu Zeitkonflikten führen“, glaubt auch Dobischat. Studenten suchen sich daher lieber einen Nebenjob, der nicht zu umfangreich und möglichst fachbezogen ist.
Bleibt keine Zeit zum Jobben, ist ein Studienkredit mitunter ein Ausweg. In Betracht ziehen sollten Studenten das aber nur, um ein Auslandssemester oder die Examenphase zu überbrücken, rät Dobischat. Vermeiden sollten sie dagegen, das gesamte Studium per Kredit zu finanzieren. „Die Verschuldungsgefahr ist zu groß.“
Von dpa
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28. Dezember, 2009 von redaktion

Studieren in der Provinz kann auch seine Vorteile haben. Foto: dpa
Das Studium ist für viele Schulabgänger der große Schritt in die Freiheit: Fern von zu Hause wollen sie ihre neue Eigenständigkeit auskosten.
Die Metropolen bieten dafür ein buntes Nachtleben. Wenn das Studium dagegen nach Bad Homburg statt nach Hamburg führt, ist das oft erstmal ein Kulturschock: Statt der Großen Freiheit erwartet einen die große Langeweile.
Lohnen kann sich der Schritt trotzdem. Und manchmal dürften Studenten entdecken, dass es sich in der Provinz sogar viel besser leben und lernen lässt.
Kleinere Studienanfängerzahl
„Die Teilnehmerzahl in den Vorlesungen und Seminaren ist aufgrund der kleineren Studienanfängerzahl geringer“, nennt Elisabeth Kohl vom Studierendenrat der TU Ilmenau einen der Vorteile kleinerer Unis. Ilmenau klingt zwar nicht so flippig und cool wie Berlin, Hamburg oder Köln.
Dafür ist dort alles überschaubar, und Erstsemester finden schnell Kontakt zu Kommilitonen. Denn statistisch gesehen müssten sie an jeder Ecke einem Studenten begegnen: Im 25 000-Einwohner-Städtchen am Rand des Thüringer Waldes lernen rund 6400 Hochschüler.
Ein weiterer Pluspunkt von Kleinstädten: Das Leben ist nicht so teuer. „Generell sind in der Provinz die Lebenshaltungskosten niedriger“, erläutert Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.
Der geringere finanzielle Druck erleichtere das Studium, wodurch Hochschüler mitunter schneller fertig werden. Das Studentenwerks Tübingen sieht das ähnlich: „Nach unserem Eindruck konzentrieren sich die Studierenden an kleineren Hochschulstandorten mehr auf ihr Studium“, sagt Sprecherin Isabel Schulz.
Die Wege sind kurz
Dazu dürfte auch der enge Kontakt zum Lehrpersonal beitragen. „Die Wege hier sind sehr kurz - wenn man eine Frage oder ein Problem hat, kann man direkt auf die Dozenten zugehen“, erzählt Kohl, die an der TU Ilmenau Medienwirtschaft studiert.
Mit 21 000 Studenten ist die Uni Marburg zwar weitaus größer, aber auch hier geht es noch persönlich zu, wie Sprecher Hellmuth Graßmann findet: „Die Lehrenden haben einen engen Kontakt zu den Studierenden und stehen immer mit Rat und Tat zur Seite. Man kennt sich eben.“
An den Massen-Unis der Großstädte kennen viele Dozenten ihre Prüflinge dagegen kaum. Vorlesungen und Seminare quellen vor Teilnehmern über - die Bilder von Studenten, die aus Platzmangel auf dem Boden sitzen müssen, sind nicht erst seit dem jüngsten Bildungsstreik bekannt.
Bamberg, Greifwald, Aachen
Im Stadtbild der Großstädte gehen Studenten außerdem eher unter. In kleineren Regionen wie Bamberg, Greifswald oder Aachen prägen die jungen Menschen die Regionen mit. „Die Angebote der Stadt richten sich auf die Studenten aus“, sagt Marburgs Stadtsprecher Rainer Kieselbach.
Ein Viertel von Marburgs 86 000 Einwohnern sind Studenten. Ähnlich studentisch geprägt ist das oberfränkische Bamberg: Von 69 000 Einwohnern sind rund 9000 Studenten.
Überhaupt trifft das langweilige Provinz-Image bei weitem nicht auf alle Kleinstädte zu. Kneipen, Konzerthallen, Fitness-Studios - darauf müssen die Studenten nicht verzichten.
Wo junge Menschen sind, entsteht eine entsprechende Infrastruktur. Vielleicht gibt es nur zwei und nicht zehn Kinos wie in den Metropolen - dafür haben viele deutsche Kleinstädte ansehnliche Ortskerne. „Die Bamberger Universität liegt inmitten des Weltkulturerbes, das Welterbe ist praktisch unser Campus“, sagt Rainer Schönauer, Sprecher der Uni Bamberg.
Doch ein Umzug in die Pampa hat auch Schattenseiten. „Ilmenau ist nicht gerade eine Metropole, deshalb ist die verkehrstechnische Anbindung an die Stadt ausbaufähig“, findet Studentin Elisabeth Kohl. Eine Stunde dauert es mit der Bahn, um in die rund 40 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Erfurt zu gelangen.
Ähnlich dürfte es Studenten in vielen kleinen Unistädten gehen. Auch wer einen Kindergarten braucht oder ins Studentenwohnheim will, wird an Provinz-Unis eventuell enttäuscht. Was an großen Universitäten zur Grundausstattung gehört, ist an kleinen Standorten nicht immer zu haben.
Außergewöhnliche Studiengänge
Dafür bieten viele Provinz-Hochschulen außergewöhnliche Studiengänge an. Denn wenn sie schon nicht mit den Reizen einer großen Metropole werben können, müssen andere Vorzüge her.
So lockt Trier mit dem geowissenschaftlichen Studiengang „BioGeo-Analyse“, und die Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo bietet einen Bachelor in „Technologie der Kosmetika und Waschmittel“ an.
Von dpa
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