10. August, 2010 von redaktion

vor einem großen Plenum zu sprechen: Für viele Menschen ist das sehr aufregend. Foto: dpa
Das Herz schlägt bis zum Hals, der Kopf wird knallrot - und am liebsten würde man im Boden versinken. Ein Referat halten zu müssen, ist für manche der reinste Horror. Dabei lässt sich die Aufregung mit der richtigen Vorbereitung gut in den Griff bekommen.
Viele Studenten tun sich schwer damit, vor dem ganzen Seminar ein Referat zu halten. Dabei seien solche Vorträge eigentlich nur dann schwierig, wenn man es sich zu schwer macht, sagt Rhetorik-Dozent Olaf Kramer von der Uni Tübingen. Denn ein gutes Referat darf auf keinen Fall kompliziert sein.
Auswählen der wichtigen Punkte
„Die große Kunst ist die des Weglassens und des Auswählens der wichtigen Punkte“, sagt Kramer. Der wichtigste Tipp sei aber: „Man muss gut vorbereitet sein.“ Dazu gibt es ein paar Faustregeln:
- VIER WOCHEN VOR DEM REFERAT: Spätestens jetzt sollte mit dem Dozenten geklärt werden, um welches Thema es geht und wie lang der Vortrag werden soll. Dann geht es in die Bibliothek. Für ein kleines Referat im Bachelor-Studium reiche in der Regel ein gutes Lehrbuch als Grundlage, sagt Alfred Brink, der an der Universität Münster Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten gibt.
- ZWEI BIS DREI WOCHEN VORHER: Jetzt geht es darum, das angelesene Wissen in eigene Worte zu fassen und eine Argumentationsstruktur für das Referat zu erarbeiten. „Wenn man eine Gliederung fertig hat, sollte man sie einigen Studienfreunden geben. Die werden merken, wo logische Lücken und Fehler sind“, rät Brink. Dann geht es an die inhaltliche Ausarbeitung. „Als erstes sollte man den Hauptteil fertig machen, erst danach die Einleitung und den Schluss“, rät Kramer.
- EINE WOCHE VORHER: Nun folgt der Feinschliff. „Entscheidend ist die Reduktion auf einzelne, schlagende Argumente“, erklärt Kramer. Auf Karteikarten sollten Studenten Stichpunkte aufschreiben, an denen sie sich beim Vortrag entlanghangeln können. Komplett abgelesene Vorträge sind oft verpönt. Aber ein bisschen tricksen sei schon erlaubt, findet Kramer: „Man kann den Anfang ausformulieren. Dann muss man nicht gleich krampfhaft nach den ersten Worten suchen.“ Auch den Schlussteil könne man komplett aufschreiben.
Eine Powerpoint-Präsentation gehört heute eigentlich zu jedem Referat dazu. „Auf keinen Fall sollte man zu viele Folien zeigen oder die Folien überfrachten“, warnt Brink. „Sonst können die Zuhörer dem Vortrag gar nicht mehr folgen, weil sie sich auf die Folien konzentrieren müssen.“
- DIE LETZTEN TAGE: Jetzt geht es ans Üben. „Man muss mit dem Inhalt vertraut sein, damit man souverän vortragen kann“, sagt Kramer. „Manche Studenten schreiben noch bis fünf Minuten vor Seminarbeginn an ihrem Referat. Da hat man dann beim Vortrag das Gefühl, die hören ihren eigenen Text selbst zum ersten Mal.“ Am besten sei es, die Situation vor Freunden durchzuspielen. Nur so merkt man auch, wie viel Zeit man für den Vortrag eigentlich braucht.
- ES GEHT LOS: Der Seminarraum ist voll, dutzende Augenpaare richten sich auf einen. Jetzt bloß keinen roten Kopf kriegen, denkt mancher noch - und spürt schon das Blut in den Kopf schießen. „Erstmal sollte man sich klarmachen: Das ist nur eine Ausbildungssituation“, sagt Edith Püschel von der Psychologischen Beratung der Freien Uni Berlin.
Dann müssten sich Studenten der Situation aber einfach stellen: „Man kann das Publikum nicht ausblenden“, sagt die Psychologin. „Vielen hilft es aber, Freunde im Publikum zu suchen und anzugucken. Dann hat man einen Blickanker und muss nicht an die Decke starren.“ Langfristig gebe es aber nur ein Mittel gegen Lampenfieber: „Erfahrungen sammeln und immer wieder Referate halten.“
Von dpa
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30. November, 2009 von redaktion

Das Debattieren lässt sich prima üben. Viele Studenten tainieren das in Debattierclubs. Foto: dpa
Debattieren hat in England schon eine lange Tradition: Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gründeten Studenten in Oxford und Cambridge die ersten Debattierclubs.
Inzwischen ist die Welle auch nach Deutschland geschwappt: Immer mehr Studenten treffen sich hierzulande, um Wortgefechte auszutragen und Streitkultur zu zelebrieren. Quasselstrippen und Rechthaber sind dabei fehl am Platz. Wer Spaß am Argumentieren hat, kann aber einiges lernen, was ihm auch später im Berufsleben nützt.
Wer Mitglied in einem Debattierclub wird, kann mehr lernen, als das Reden zu verbessern. „Man lernt auch, komplexe Sachverhalte zu präsentieren, ohne sie zu vereinfachen“, erklärt Tim Richter, Präsident des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen in Bonn. „Darüber hinaus schärft Debattieren den Verstand, trägt dazu bei, klarer zu formulieren - und macht auch noch Spaß.“
Wenn Studenten selbst organisieren ...
Mit Uni-Referaten lässt sich das nach Richters Ansicht nicht vergleichen: „Es wird von Dozenten oft nur geschätzt, dass man es macht, aber nicht, wie man es macht“, sagt der 27-Jährige, der Philosophie, Jura und Geschichte studiert. „Ein direktes Feedback bekommt man jedoch kaum.“ Da Debattierclubs von Studenten selbst organisiert werden, seien Teilnehmer häufig motivierter als in Pflichtveranstaltungen ihres Studiums.
Die Palette der Themen, die in den Clubs meist einmal in der Woche debattiert werden, reicht von Klassikern wie der Todesstrafe bis zu aktuellen außenpolitischen Fragen. „Einer der Vorteile liegt auch darin, dass sich die Teilnehmer mit Politik auseinandersetzen können, ohne sich parteipolitisch zu binden“, sagt Patrick Ehmann von der Berlin Debating Union.
Vor Gericht Plädoyers halten
Die Debattierclubs wollen nicht nur Studenten aus Fächern wie Jura ansprechen, die später etwa vor Gericht Plädoyers halten müssen. „Die Teilnehmer kommen aus den verschiedensten Fachbereichen - von der Physik bis zur Philosophie“, erklärt Richter. „Darunter sind hin und wieder auch schüchterne und ruhige Teilnehmer, die während der Debatte aufblühen.“ Für ihn selbst sei das Debattieren mittlerweile ein „Thrill“ und regelrecht zur Droge geworden, sagt Richter.
Aufnahmekriterien für eine Mitgliedschaft gibt es kaum. Kandidaten müssen sich laut Richter zutrauen, vor 15 bis 20 Menschen zu sprechen. Und wenn in einem Club auf Englisch debattiert wird, sollte man die Sprache angemessen beherrschen.
Um die eigenen Redekünste zu vertiefen, bieten manche Clubs zusätzliche Seminare an. „Anfänger können darin das Handwerk lernen, wie man etwa eine Debatte strukturiert oder wie man Argumente aufbaut“, erklärt Ehmann von der Berlin Debating Union. „Die darauffolgenden Seminare konzentrieren sich dann auf inhaltliche Aspekte, um den Grundschatz an Argumenten auszubauen.“
Teilnehmer werden ausgelost
Im Grunde laufen Debatten meist in einer ähnlichen Form ab. „Es werden zwei Gruppen, also die Regierung und die Opposition, mit jeweils vier Teilnehmern ausgelost, die dann abwechselnd jeweils sieben Minuten reden und ihre Argumente vorbringen“, erläutert Ehmann. Am Ende wird der Sieger gekürt: „Es gewinnt derjenige, der stringenter argumentiert, keine logischen Fehler macht und überzeugender in der Darlegung ist.“ Für solche Wettstreite gibt es sogar nationale und internationale Turniere.
Wer sich regelmäßig im Debattieren übt, kann daraus auch Vorteile für die eigene berufliche Zukunft ziehen. „Die praktischen Erfahrungen, die man beim Debattieren macht, sind heutzutage fast überall relevant - sei es die Rede, der Fachvortrag oder die Verhandlung“, sagt Cornelius Ambros, Karrierecoach und Vorsitzender des Rhetorikverbandes Baden-Württemberg in Tübingen.
„Das betrifft also praktisch alle Situationen, in denen es um die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen geht“, fügt Ambros hinzu. Ein Debattierclub kann daher für diejenigen hilfreich sein, die später zum Beispiel als Kommunikationstrainer, in den Medien oder der Unternehmensberatung arbeiten wollen.
(Verband der Debattierclubs an Hochschulen: www.vdch.de, Berlin Debating Union: www.debating.de)
Von dpa
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