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Von Spinnakern bis Sprayhoods: Segelmacher leisten Handarbeit

24. August, 2010 von redaktion

Segelmacher müssen ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Foto: dpa

Segelmacher müssen ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen besitzen. Foto: dpa

Spinnaker, Sprayhoods, Persenninge - wenn Segelmacher sich unterhalten, verstehen Landratten schnell nur noch Bahnhof. In dem Beruf wird Handarbeit noch großgeschrieben. Bewerber brauchen räumliches Verständnis und handwerkliches Geschick.


Ihre Arbeit ist vielen unbekannt - was dabei herauskommt, kennt dagegen jeder. Im Sommer, wenn überall auf dem Wasser Schiffe unterwegs sind, kann man vielerorts sehen, wo Segelmacher am Werk waren. Sie fertigen aber nicht nur Segel, Verdecke und Abdeckungen für Boote an. Ihr Handwerk dreht sich auch um Markisen, Zelte und Planen.


Viele verschiedene Segelarten


„Am Anfang meiner Ausbildung war ich ganz überrascht, wie viele verschiedene Segelarten es gibt“, erzählt der angehende Segelmacher Sebastian Wölm aus Flensburg. Auch werden unterschiedliche Nähtechniken eingesetzt.

Die Auswahl der Textilien ist Typsache. Zur Auswahl stehen Segeltuch oder andere beschichtete Stoffe, aber auch ultraleichte Hightech-Materialien, beispielsweise für Spinnaker von Rennbooten, einem bauchigen Segel über dem Bug.


„Die meisten Segelmacher fertigen Einzelstücke an, denn jedes Segel ist anders“, sagt Henning Nickels, der Wölms Arbeitgeber und Obermeister der Landesinnung Schleswig-Holstein ist.


Ausbildung neu geordnet


Dieses individuelle Arbeiten wird jetzt in der Ausbildung noch stärker als früher berücksichtigt. Sie ist zum 1. August neu geordnet worden. Segelmacher Gerhard Jagow sieht das Berufsbild dadurch gestärkt.

„Es gab Überlegungen, den Beruf des Segelmachers mit dem des technischen Konfektionärs zusammenzulegen - dabei unterscheiden sich die Berufsbilder stark“, erklärt der Obermeister der Landesinnung Hamburg. Der technische Konfektionär arbeite industriell und fertige Serien an. „Wir machen Einzelanfertigungen und Reparaturen.“ Außerdem gehörten Kundenbesuche zum Geschäft.


Das bestätigt Azubi Sebastian Wölm: „Treffen mit den Kunden an Bord ihrer Boote sind wichtig, um auf einen Nenner zu kommen“, sagt der 18-Jährige.

Die Segel oder das Boot werden ausgemessen, später in Skizzen verwandelt, woraus wiederum Schnittmuster entstehen. Sprayhoods, also Halb-Verdecke für Jachten, oder Persenninge - Abdeckungen für Boote - können ganz unterschiedliche Formen haben. Da ist die Kreativität des Segelmachers gefragt.


Ausgeprägtes räumliches Verständnis


Voraussetzung ist ein ausgeprägtes räumliches Verständnis. Außerdem brauchen Azubis ein Grundverständnis für Mathematik.

Denn Segelmacher lassen nicht nur den Computer für sich arbeiten. Sie müssen auch ohne seine Hilfe Skizzen zeichnen und Maße berechnen können. Daneben ist handwerkliches Geschick wichtig - so gehört etwa das Nähen von Hand zu den Ausbildungsinhalten.


Ein Boots- oder Segelschein ist dagegen keine Voraussetzung, um Segelmacher zu werden, ein bestimmter Schulabschluss auch nicht, ergänzt Gerhard Jagow von der Landesinnung Hamburg. Vor der Lehre sei aber ein drei- bis vierwöchiges Praktikum üblich.


Ausbildung meist in Norddeutschland

 

Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet meist in Norddeutschland statt. Zwar gibt es auch am Bodensee ein paar Segelmachereien. Das Gros ist aber in Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt.


Bundesweit arbeiten nur etwa 150 Menschen als Segelmacher. Bei rund 30 Lehrlingen pro Jahr heißt das: Nicht jeder wird einen Job finden. Dennoch sei es ein Beruf mit Zukunft, sagt Werner Feyerabend, Berufsschullehrer aus Lübeck.

 „Wir bekommen auch Anfragen aus dem Ausland von Arbeitgebern, die Gesellen suchen.“ Bedarf gebe es etwa in Skandinavien, den Nord- und Ostseeanrainern oder am Mittelmeer.


Von dpa

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Kategorien: Beruf, Zukunft


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