Ali Mitgutsch: Welt erleben
20. August, 2010 von birgitta

Ali Mitgutsch mit einem seiner Wimmelbücher. Foto: dpa
„Moment bitte, ich hole eben meine Hörgeräte!“, war die Begrüßung von Ali Mitgutsch beim Interview mit der Jugendredaktion. Manche fragen sich jetzt vielleicht: Wer ist Ali Mitgutsch?
Ali Mitgutsch ist ein berühmter „Wimmelbildzeichner“ aus München. Er ist gerade 75 Jahre alt geworden und wurde zu diesem Anlass von der Jugendredaktion interviewt.
Nachdem wir die Nummer gewählt hatten, begrüßte uns ein freundlicher älterer Herr. Ali Mitgutsch.
Das erste Wimmelbild
Vor einigen Jahrzehnten erhielt Ali Mitgutsch von einem Kindertherapeuten den Auftrag ein Bild zu malen, auf dem Kinder immer wieder etwas Neues entdecken können, auch wenn sie es stundenlang anschauen. Aus diesem Auftrag entstand Mitgutschs erstes „Wimmelbild“, ein von ihm selbst stammender Begriff.
Er sei zwar nicht wirklich passend, aber käme seinen Bildern, auf denen er die Welt auf einer Doppelseite verdichtet, noch am nächsten. Seiner Meinung nach, seien es sich selbst erzählende Bilder, aber dieser Ausdruck lässt sich nicht als Schlagwort gebrauchen.
Was Kinder begeistert
„Meine Geschichten sauge ich mir aus den Fingern“, meint Ali Mitgutsch auf die Frage woher er seine Ideen nehme. Er beobachte seine Umgebung sehr genau und wisse, was Kinder berührt und womit sie sich gerne beschäftigen.
Mitgutsch selbst erlebte eine sehr verstörende Kindheit. Er wurde mehrmals evakuiert und vermisste dementsprechend feste Freunde, also erfand er sich selbst welche. Einen großen dicken als Beschützer und einen schlauen dünnen, mit dem er Pläne aushecken konnte.
Das alles träumte er sich in seinen Baumhäusern zusammen. "Kinder sollen eine erfüllte Kindheit haben und das Hier und Jetzt genießen", sagt Mitgutsch. Sie sollen nicht schauen, was in der Vergangenheit war und was in der Zukunft sein wird.
Ihm selbst ist solch eine Kindheit verwehrt geblieben. Daher habe er ein Gespür dafür, was Kinder brauchen und worauf es bei den Kinderbildern ankomme.
Eine Freude machen
Mitgutsch kennt viele Bilderbuchautoren, die Bücher für Kinder illustrieren, welche seiner Meinung nach für Kinder nicht geeignet seien. Wenn er Bilder für Kinder male, dann frage er sich immer, ob es ihm als Kind gefallen hätte.
„Die Ader für Kinder ist eine Spezialveranlagung“. Es freue ihn, mit dieser Veranlagung ausgestattet zu sein und Kindern eine Freude mit seinen Büchern machen zu können.
Aber auch Erwachsene finden Gefallen an seinen Büchern und haben Spaß am Entdecken der Details. Seine Malsachen hat Mitgutsch immer und überall bei sich. Es braucht nur ein kleines Köfferchen mit Stiften und Papier.
Erfahrungen und Beobachtungen
17 ½ Jahre lang ist Mitgutsch durch die Welt gereist und hat gemalt. Sein ganzes Leben lang hat er Menschen beobachtet. All seine Erfahrungen und Beobachtungen fließen in seine Bilder mit sein.
Als größtes Kompliment, was er je bekommen hat, nimmt Mitgutsch einen Satz von einem fast 2-jährigen Kind. Es hielt ein Buch von Ali Mitgutsch in den Händen und sagte zu ihm: „Das ist mein Freund!“
Mit seinen Bildern möchte Mitgutsch eins erreichen: Kindern das Sehen beibringen. Sie sollen schon früh spielerisch hinter die oberflächliche Fassade der Gesellschaft schauen und die Menschen erkennen wie sie wirklich sind. Das Rezept dazu besteht aus genauem Beobachten.
Geheimnisse lüften
„In der U-Bahn sind die Menschen Personen, die sie sein wollen, nicht die Personen, die sie sind“, so umschreibt er die Gesellschaft, die nichts von sich preisgeben wolle. Die Geheimnisse zu lüften und dahinter zu schauen sind die Intentionen, die Mitgutsch den Kindern mitgeben will.
Von Birgitta Friebe
Tags: Kinderbücher, WimmelbilderKategorien: Kultur, Literatur




