Mit Kraft und Köpfchen: Fliesenleger haben einen Knochenjob
06. August, 2010 von redaktion

Fliesenleger müssen kräftig anpacken können. Foto: dpa
Sportlich muss er sein. Robust und flexibel. Vor allem aber „Gas geben können“, sagt Thomas Grünendahl von der Handwerkskammer Düsseldorf. Gemeint ist nicht etwa ein neues Automodell, sondern der ideale Fliesenleger.
Er sollte handwerkliches Geschick mitbringen - aber auch Köpfchen haben: Räumliches Vorstellungsvermögen und Präzision sind wichtig in dem Beruf.
„Das ist einer der schwersten Bauberufe“, meint Grünendahl, der selbst Fliesenlegermeister ist. Bevor Wände, Böden und Fassaden verkleidet werden, müssen die Plattenbeläge an Ort und Stelle gebracht werden. Werden zum Beispiel die Bäder eines Bürogebäudes gefliest, können dabei gut drei Tonnen zusammenkommen.
Mitunter wird am ersten Tag auf einer Baustelle nur Material getragen. Die tägliche Arbeit geht auf die Gelenke, vor allem Rücken und Knie werden belastet.
Vorstellungs-Vermögen
Nach dem Schleppen kommt das Planen. „Schon wenn der Fliesenleger den Raum betritt, muss er ihn sich fertig vorstellen können“, erklärt Grünendahl. Dazu gehören eine Portion Fantasie und ein Faible für Farben und Formen und deren Gestaltung.
Auch technisches und mathematisches Verständnis für Flächen-, Winkel- und Verschnittberechnungen sind wichtig, sagt Klaus Niedermeier, Ausbildungsberater der Handwerkskammer München.
Daneben spielt die Kundenberatung bei der Wahl der geeigneten Platten eine zentrale Rolle. Hierfür müsse der Fliesenleger eine gute Materialkenntnis besitzen und sich in der Produktvielfalt auskennen, erklärt Markus Ramrath von der Fachgruppe Fliesen des Baugewerbeverbandes Nordrhein in Düsseldorf.
40 Stunden pro Woche
Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn arbeiten Fliesenleger im Schnitt 40 Stunden pro Woche. Sie werden in Neubauten eingesetzt, aber auch beim Sanieren und Modernisieren von Wohnungen, Gewerbeimmobilien und Industriebauten.
Der gesamttarifliche Stundenlohn für einen Gesellen beträgt 16,74 Euro. Meist wird aber nach der Anzahl verlegter Fliesen bezahlt. „Der Lohn wird tatsächlich noch erwirtschaftet“, erklärt Grünendahl.
Ein Geselle im Meisterbetrieb kommt Ramrath zufolge auf durchschnittlich 1500 Euro netto im Monat. Wer sein Handwerk perfekt beherrscht und im Akkord arbeitet, kann aber sehr viel mehr verdienen.
Zahlt der Betrieb dem Gesellen etwa 15 Euro für den verlegten Quadratmeter und schafft dieser an 21 Arbeitstagen je 20 Quadratmeter, verdient er 6300 Euro pro Monat, rechnet der Fliesenlegermeister vor. „Wer gut ist, verdient auch gut“, lautet seine Devise für das Berufsleben.
Dreijährige Ausbildung
Ein Hauptschulabschluss mit einer Drei in Deutsch und Mathe gilt als Voraussetzung für die dreijährige Ausbildung. Seit dem 1. April 2010 beträgt das Lehrlingsgehalt im ersten Jahr 614, im zweiten 943 und im dritten 1191 Euro pro Monat.
Fliesenleger kann sich auch ohne Ausbildung mittlerweile jeder nennen. Seit dem Jahr 2004 muss der Inhaber eines Fachbetriebes für das Fliesengewerbe keinen Meisterbrief mehr besitzen. Für die Branche ist das kein Segen, denn seitdem wird der Berufszweig von unqualifizierten Arbeitskräften überschwemmt.
Wer beruflich vorankommen will, kann nach dem Gesellenbrief einen Meisterlehrgang im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk absolvieren. Alternativ ist eine Fortbildung als Techniker oder Polier möglich.
Von dpa
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