04. August, 2010 von redaktion

Auch Eltern sollten die Privatsphäre ihrer Kinder wahren. Foto: dpa
Eltern können es mit ihrer Fürsorge auch übertreiben: Spätestens wenn sie in der Schublade schnüffeln oder Tagebuch lesen, ist für viele Jugendliche Schluss. Dagegen hilft nur, klar seine Grenzen abzustecken und mit den Eltern Regeln festzulegen.
Papa durchforstet heimlich den SMS-Eingang auf dem Handy, und vor Mama ist keine Schreibtischschublade sicher. Wenn Eltern die Privatsachen ihrer Kinder durchsuchen, erfahren sie alles über den neuen Schwarm der Tochter oder die Lieblingscomputerspiele des Sohnes.
Aber dürfen Eltern auch Tagebücher lesen, sich unter falscher Identität im Online-Chat tummeln oder bei einem Rendez-vous mit dem Auto folgen? Und wie können sich Jugendliche gegen allzu große Einmischung wehren?
Recht auf Privatsphäre
„Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre“, stellt Beate Friese von der Telefonberatung „Nummer gegen Kummer“ in Wuppertal klar. „Das Postgeheimnis gilt auch für Eltern.“ Das Öffnen und Lesen von Briefen, Tagebüchern, E-Mails und SMS-Nachrichten sei tabu.
„In einer vertrauensvollen Umgebung braucht man keine abgeschlossenen Schubladen und Geheimfächer“, sagt die Jugendberaterin.
Dass es in vielen Familien anders läuft, weiß Friese aus Erfahrung. Bei ihr melden sich manchmal Jugendliche, die sich in ihren Zimmern regelrecht verbarrikadieren, weil sie ihren Eltern nicht mehr trauen.
Die Eltern wiederum reagieren auf die Heimlichtuerei mit immer größerem Misstrauen - ein Teufelskreis. „Bevor es zur Eskalation mit aufgebrochenen Schlössern kommt, muss man miteinander reden“, rät Friese. „Am besten so früh und so deutlich wie möglich.“
Ein ehrliches Gespräch hilft
Ein ehrliches Gespräch hilft, die Fronten zu klären und Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Vielleicht hat die Mutter gar nicht das Zimmer durchwühlt, sondern nur aufgeräumt.
Vielleicht hat der Vater aus purer Neugier ins E-Mail-Postfach geguckt, ohne sich der Grenzüberschreitung bewusst zu sein. „Jugendliche müssen deutlich sagen, was sie stört und was sie als Einmischung empfinden“, rät Marthe Kniep vom Doktor-Sommer-Team der Jugendzeitschrift „Bravo“.
Wenn dies ausgesprochen ist, könne sich die Familie gemeinsam auf bestimmte Gepflogenheiten und Regeln einigen. Etwa das Einrichten passwortgeschützter Benutzerkonten für den gemeinsamen Computer, einen Schlüssel für das Jugendzimmer oder zumindest einen Bereich, in dem fremde Augen und Hände nichts zu suchen haben.
Wenn Eltern trotzdem weiter spionieren, sollten Jugendliche ruhig die Vertrauensfrage stellen, rät Kniep. Es gelte gemeinsam herauszufinden, worum sich die Eltern Sorgen machen.
Elterliche Ängste
Mangelndes Vertrauen ist aber nicht nur ein Problem der Eltern, es kann auch am eigenen Verhalten liegen: Wer unzuverlässig ist oder die Eltern regelmäßig anlügt, dem wird nicht mehr jedes Wort geglaubt.
Manch elterliche Ängste kann man recht simpel zerstreuen: „Einfach mal die Freunde mit nach Hause bringen oder zeigen, was genau in einem Online-Chat passiert“, rät Jugendberaterin Kniep.
Die meisten Eltern spionieren aus Verunsicherung, glaubt auch Ulrich Gerth von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Der Psychologe rät Jugendlichen zur Transparenz: „Je mehr man den Eltern erzählt, desto weniger sind sie auf Spekulationen angewiesen.“
Jugendliche sollten ihre Empörung über einen Vertrauensbruch in deutliche Worte fassen. Das erfordere Mut und Geschick - schließlich seien Eltern Autoritätspersonen, die ihren Kindern auch argumentativ überlegen seien. „Am besten lässt man die erste Wut verrauchen und überlegt sich in Ruhe eine Gesprächsstrategie“, empfiehlt Gerth.
Wenn Eltern sich gar nicht gesprächsbereit zeigen, können Jugendliche eine Beratungsstelle aufsuchen.
Von dpa
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02. Dezember, 2009 von redaktion

Oft ein heikles Thema: Der erste Besuch bei den Eltern von Freund oder Freundin. Foto: dpa
Es ist wie in einem Alienfilm. Sie haben die Kontrolle übernommen. Sie sind überall: Eltern. Selbst in einer Beziehung kann man den „Fremden“ nie ganz aus dem Weg gehen.
Solche Begegnungen der dritten Art können echt gruselig sein - vor allem beim ersten Mal. Ob Sonntagskaffee, Abendessen oder ein Wochenende bei den Eltern vom Freund oder der Freundin: Damit der erste Kontakt friedlich über die Bühne geht, muss er gut vorbereitet sein.
Verschiedene Wertvorstellungen
Denn bei der Kommunikation kann einiges schiefgehen: „Da prallen schließlich ganz unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander“, erläutert der Paartherapeut Manuel Tusch aus Köln. Wer seinen Partner das erste Mal mit nach Hause bringt, sollte ihn daher vorwarnen: Wo lauern die Fettnäpfchen? Und wie sind die Eltern generell drauf? „Es kann sich sogar lohnen, schwierige Fragen vorher einmal durchzuspielen.“ Die wichtigsten Tipps dazu im Überblick:
COOL KOMMT UNCOOL: Einen auf cool machen kannst Du vor Deinen Kumpels, bei so einem Besuch aber besser nicht. Komplett verbiegen sollte man sich zwar nicht - ein bisschen anpassen als Gast aber schon, erklärt der Psychologe Bernhard Broekman aus Wiesbaden. Das gelte auch für den Umgangston: Hiphop-Slang lässt Du also besser zu Hause. Der Daddy von der Freundin ist schließlich nicht P. Diddy. Du führst Dich also am besten nicht auf wie Eminem und sagst dauernd „Scheiße“. Da sind Eltern halt ein bisschen empfindlich. Also: „Respect“ ist die Devise! Alles andere kommt eher uncool rüber.
SMALL TALK: Wenn Du nur stumm wie ein Fisch dasitzt, kann das gemeinsame Abendessen lang werden. Also, mach Dich locker und erzähl was! „Schönes Wetter“ oder „Das Essen ist lecker“ geht immer. Diskussionen anzufangen, ist dagegen keine so gute Idee. „Politik, Religion und Sex sind Tabuthemen“, erklärt Broekman. Dass der Vater Deiner Freundin CDU/CSU oder SPD wählt, steht also nicht zur Debatte, auch wenn Du das vielleicht spießig findest. „Live and let live“ ist das Motto.
ABCHECKEN: Gehört dazu. „Das ist ein bisschen wie in einem Bewerbungsgespräch“, erklärt Tusch. Eltern wollten eben immer wissen, mit wem sich ihr Sohn oder ihre Tochter einlässt - und dabei nur das Beste für ihre Kinder. Mit nervigen Fragen wie „Und, was willst Du später mal machen?“ muss man also rechnen. Deshalb musst Du aber nicht gleich den perfekten Schwiegersohn spielen. „Nicht schleimen“, rät Tusch. Sich verstellen wirke am Ende bloß aufgesetzt und deshalb komisch. Und keiner erwartet, dass Du gleich eine Antwort nach dem Motto „Mein Haus, mein Auto, mein Job“ aus dem Ärmel schüttelst.
ZUSAMMENHALTEN: Ist Pflicht. Man darf den anderen nicht alleine lassen, wenn er sich auf dem Präsentierteller befindet, sagt der Paartherapeut Jörg Wesner aus Hamburg. Wenn Deine Mutter sich über die Frisur von Deinem Freund mokiert und Du sagst nichts, fühlt er sich natürlich hängengelassen. In solchen Situationen musst Du ihn also in Schutz nehmen. Manchmal reicht ja schon ein Satz wie „Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich“. Ansonsten hilft laut Wesner auch, sich zu solidarisieren: „Meine Frisur passt Dir ja auch nicht.“
ABSPRACHEN TREFFEN: Du bist gerade mit Deinem Freund in Deinem Zimmer am Knutschen, und auf einmal stehen die Eltern auf der Matte? Geht gar nicht. Also klär das ab: Das eigene Zimmer ist während des Besuchs für Eltern tabu. Auch die Frage, ob der Freund mit im eigenen Bett schlafen darf oder nicht, müsse vorher geklärt werden, rät Broekman. Umgekehrt gilt: „Fühl' Dich wie zu Hause“ nimmt man besser nicht zu wörtlich. Als Besuch müsse man sich an die Regeln des Haushaltes halten: „Man fragt also, bevor man an den Kühlschrank geht.“ Und man läuft nicht splitternackt durchs Haus. So auf dem Weg vom Bad den Schwiegervater zu treffen, ist voll peinlich!
AUSZEITEN NEHMEN: Muss sein. Jedenfalls, wenn man länger da ist. Klar, wenn die Eltern gekocht haben, sollte man beim Essen dabei sein. Ansonsten kann man sich aber ruhig mal ausklinken, um auch ein bisschen Zeit zu zweit zu haben. „Sich einfach stillschweigend zu verkrümeln, wirkt aber unhöflich“, sagt Tusch. Also: An einem Feiertagswochenende besser einen Tagesplan ausmachen und fest verabreden, wann man sich trifft und wann „elternfreie“ Zeit ist, rät Wesner. Das klinge vielleicht unspontan, funktioniere aber.
OFFEN SEIN: Man glaubt es kaum: Auch Eltern sind Menschen. Und auch wenn manche von ihnen zuerst wie aus einer anderen Welt wirken - nach dem ersten Gespräch ist die vielleicht gar nicht mehr so weit entfernt. Könnte doch sein, dass der Vater der Freundin nicht nur CDU/CSU oder SPD wählt, sondern auch mal E-Gitarre in einer Band gespielt hat. Oder schon mal in Indien war, wo Du schon immer hinwolltest. Oder einfach auch Werder Bremen gut findet, so wie Du. Manchmal sind die „Fremden“ einem also gar nicht so fremd.
dpa
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