Reisebericht Polen
28. Juni, 2010 von angelaohm
Wie aus einem europäischen ein deutsch-polnisches Treffen wurde
Es sollte die feierliche Abschlusswoche der Comeniusprojekt-Partnerschaft werden.
Die polnischen Gastgeber hatten sich sorgfältig auf das Eintreffen der Cyprioten, Portugiesen und Deutschen vorbereitet. Fahrgemeinschaften waren bereits ausgemacht worden, Flüge gebucht, ja sogar die Koffer waren schon halb gepackt, als uns das “Aschemonster” einen strich durch die Rechnung machte.
Nachdem klar war, das der Flug für uns deutsche Teilnehmer annulliert worden war, kümmerten sich unsere Lehrer rechtzeitig um Zugtickets , doch andere hatten weniger Glück. Die Cyprioten warteten einige Tage in Ungewissheit bis sich herausstellte, dass sie nicht fliegen konnten. Die Portugiesen landeten Dienstag in Amsterdam, jedoch ohne Koffer. Wo die geblieben waren, war ein Rätsel, also ging’s kurzerhand zurück nach Portugal. So wurde aus einem europäischen ein deutsch-polnisches Treffen. Und das war gut so, denn wir verstanden uns auch allein mit den unheimlich gastfreundlichen und offenen Polen super.
2kg Kekse- oder wann wird polnische Gastfreundlichkeit zu viel?
In meiner Gastfamilie fühlte ich mich schon vom ersten Tag an rundum wohl. Mein Austauschschüler war freundlich, nett und benahm sich die ganze Zeit wie ein richtiger Gentleman. Es war schon sehr merkwürdig und gleichzeitig irgendwie witzig andauernd Türen aufgehalten oder Essen bezahlt zu bekommen, auch wenn es zwischendurch nervte.
Mein Gastvater (eig. Der Onkel meines Austauschschülers, seine Eltern hatten nicht genug Platz, um mich auf zu nehmen) hatte ein ansteckendes Lachen und gute Deutschkenntnisse. Meine Gastmutter bekochte mich so rührend und lecker, dass ich stets so satt war, als hätte ich innerhalb von fünf Minuten genug für einen Monat gegessen.
Ja und dann waren da ja noch die zwei Hunde Max (der ältere, der beiden, ein kleiner weißer Westhighland-Terrier-Mischling, den sie wegen seines Knurrens “weißer Wolf nannten) und Loco (ein kleiner, seinem spanischen Namen getreu, ziemlich verrückter Hund), die ich, obwohl sie sehr anstrengend waren, sofort in mein Herz
schloss.
Echt lustig wurde es , als ich mit meinem Gastvater und meinem Austauschschüler zusammen Bayern gegen Lyon guckte. Es stellte sich heraus, dass sie fast mehr über den deutschen Fußball wussten als ich. Ich kam nicht aus dem staunen heraus, als sie mir (völlig ohne Ärger) berichteten, dass der größte Erfolg des polnischen Fußballs der dritte Platz in der Weltmeisterschaft von 1974 war. Im Halbfinale hatten sie gegen Deutschland verloren. Mein Gastvater zählte mir sämtliche deutsche Fußballer des Spiels auf und lobte ihre Technik.
Doch bald näherte sich mein Aufenthalt dem Ende zu. Als der letzte Abend gekommen war, lernte ich die polnische Gastfreundschaft erst richtig kennen. Am Vormittag hatte jeder unserer kleinen Gruppe vom Bürgermeister schon zwei kg Plätzchen, ein Buch, eine DVD und diverse Postkarten bekommen. Am Abend überschütteten mich meine Gasteltern dann auch noch mit Geschenken. Ein Buch und sehr viel zu Essen. Fast als würde man in Polen glauben, in Deutschland gebe es
Doch bald näherte sich mein Aufenthalt dem Ende zu. Als der letzte Abend gekommen war, lernte ich die polnische Gastfreundschaft erst richtig kennen. Am Vormittag hatte jeder unserer kleinen Gruppe vom Bürgermeister schon zwei kg Plätzchen, ein Buch, eine DVD und diverse Postkarten bekommen. Am Abend überschütteten mich meine Gasteltern dann auch noch mit Geschenken. Ein Buch und sehr viel zu Essen. Fast als würde man in Polen glauben, in Deutschland gebe es nichts zu essen.
Dann lernte ich noch die richtigen Eltern meines Austauschschülers kennen, vorher war ich ja die ganze Zeit nur bei Onkel und Tante gewesen.
Auch seine Eltern waren einfach unglaublich nett . Natürlich erhielt ich schon wieder eine ausgezeichnete Verköstigung von seiner Mutter. Die ganze Zeit unterhielten wir uns super, obwohl ich kaum ein Wort polnisch sprach. Ich war richtig traurig, als ich mich dann verabschieden musste. Die Mutter umarmte mich zum Abschied und versprach mir für die Reise ein Lunchpaket zu machen
Am nächsten Tag ging es dann mit vier fantastisch gemachten Brötchen und meinem gepackten Koffer zum Bus, dort verabschiedete ich mich von dem Vater meines Austauschschülers. Vorher gab es schon einen langen Abschied von meinen Gasteltern. Dann kurz bevor der Bus da war, kam er plötzlich wieder in der Hand wunderschöne Drucke von kleinen Zeichnungen. Ich war gerührt. Er war extra noch mal wieder gekommen um mir das Abschiedsgeschenk zu geben!
An diesem letzten Tag machten die Polen und wir noch einen Ausflug nach Thorn, oder polnisch Torún. Schließlich hieß es endgültig auf Wiedersehen sagen, für uns ging es weiter nach Warschau für die Polen zurück nach Nieszawa.
“Habt ihr schon das von unserem Präsidenten gehört?”
Der Zeitpunkt unserer Reise war nicht nur wegen dem Vulkanausbruch unglücklich. Wir reisten außerdem nur sehr kurze Zeit nachdem Polens Präsident gestorben war, dorthin. Und wie sollte es auch anders sein? Am ersten Morgen wurde ich direkt ausgefragt wie in Deutschland denn die Nachricht von Kaczynskis Tod aufgenommen worden war. Also beteuerte ich aufrichtige Betroffenheit usw.. Die Polen waren befriedigt und von da an konnten wir uns über andere Themen unterhalten. Im Fernsehen lief jedes Mal, wenn ich ein Blick erhaschen konnte, Sondersendungen zum Absturz. Die Simulationen wurden nur von der Werbung oder betroffen dreinblickenden Moderatoren unterbrochen. Nach einigen Tagen sprachen wir auch in der Reisegruppe darüber und fingen selber an die zu diskutieren, ob die Polen mit ihrem Verdacht eines russischen Anschlags nicht doch recht haben könnten.
Aber es wurde nicht nur darüber geredet. In jeder größeren Stadt, die wir besuchten konnte man in den Kirchen der extrem katholischen Bevölkerung Trauerflor und Kerzen neben Bildern des Präsidentenpaares finden. Am stärksten bemerkte man das alles natürlich in Warschau. Es war schon merkwürdig so eine Reise in ein trauerndes Land.
Eine Reise in das Land von Frederik Chopin
Das unter den vier Lehrern, die uns nach Polen begleiteten, die Hälfte Musiklehrer waren, erklärte, das wir unbedingt ins Chopin Museum “Szafarnia” mussten. Dabei handelte es sich, um ein Haus in dem der Musiker eine Zeit lang lebte. Dort durften wir uns dann einen Film in englischer Sprache zum Leben des Komponisten ansehen und der passionierteste Musiker unter den Lehrern, selber Pianist, bemühte sich ans Klavier, anstatt aber etwas von Chopin zu spielen entschuldigte er sich und bot Beethovens “Für Elise” dar! Er konnte gar nichts von Chopin auswendig. Die ganze Vorspiel Geschichte wurde dadurch ein Witz. Außer dem Flügel und dem Film hatte das Museum nicht viel mehr zu bieten, wenn man mal von den edlen Toiletten absah.
In Warschau war es dann sehr deutlich, wie stolz die Polen auf ihren Nationalhelden sind. In der Altstadt z.B. betrieben wir nichtsahnend ein bisschen Sightseeing, als plötzlich neben uns ein Klavierstück erklang. Beim umdrehen mussten wir jedoch feststellen, dass nirgendwo Musiker zu sehen war. Da saßen nur ein paar Jugendliche auf einer Bank und taten begeistert so als würden sie Klavier spielen. Wo kam also die Musik her? Waren irgendwo an einem Gebäude vielleicht Lautsprecher angebracht? Als wir weitergingen kamen wir irgendwann an eine Bank um die sich eine Touristengruppe scharte. Als diese schließlich abzog konnten wir die Bank selber unter die Lupe nehmen. Auf ihr war ein Plan von Warschau und in einer Ecke ein Knopf mir Playzeichen. Und da dämmerte es uns, die Bänke waren Stein gewordene Musikspieler. Nur wo sich jetzt genau die Lautsprecher befanden, konnten wir nicht herausfinden…
Am Abend erwartete uns in Warschau noch ein besondere Überrauschung. Die Lehrer hatten davon erfahren, dass gerade die erste Runde eines großen internationaler Klavierwettbewerbs in der Philharmonie Warschaus zu Gange war. Unsere Lehrer entschlossen sich spontan ein oder zwei Pianisten abends dort anzuhören. Alles wäre dort ganz locker erklärten sie uns und beschwichtigten damit die Schüler unter uns, die lieber wie geplant in die Eisbar gegangen wären. So machten wir uns am Samstagabend auf die Suche nach der Philharmonie. Zuerst fanden wir so den Eingang zum Hauptkonzertsaal in dem gerade ein Orgelkonzert abgehalten wurde. Irgendwie fanden wir dann später auch den richtigen Eingang. Dort mussten wir vor den Saaltüren warten, dass der vorherige Pianist fertig wurde. Die Lehrer rannten schon fast zur Teilnehmerliste und fingen an darüber zu diskutieren, das auf ihr fast nur asiatische Namen standen.
Als wir dann endlich eintreten durften merkten wir schnell, dass die Atmosphäre um einiges gespannter war, als wir es erwartet hatten. Wir nahmen so leise wie möglich Platz, während der nächste Pianist- oh Wunder, eine Chinese oder Japaner- eintrat. Als er zu spielen anfing waren dann alle froh gekommen zu sein. Aber ein Mädchen von uns konnte einfach nicht widerstehen und flüsterte ihrer Sitznachbarin zu, wie krass sie das doch fände. Das war offensichtlich ein Verstoß gegen die ungeschriebenen Regeln des Wettbewerbs. Ein Mann in dunklem Anzug schlich zu ihr und wies sie durch ein Antippen zurecht. Ich fand den Pianisten zwar ganz gut, aber danach hatte ich nur noch Angst durch irgendein Geräusch aufzufallen. Nachdem der Pianist sein halbstündiges Vorspiel beendet hatte gingen wir dann auch und ließen in einem kleinen Club, der wahrscheinlich einzige mit 14 freien Plätzen, den Abend gemütlich ausklingen.
Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe los. Wir verbrachten den ganzen Tag im Zug. Alles in allem war das der beste Schüleraustausch den ich bis jetzt mitgemacht habe. Das einzige was mich gestört hat war, dass wir nicht mal eine ganze Woche Zeit hatten. Aber dafür waren diese Tage eine echt tolle Zeit und eine spannende Erfahrung, die ich nur jedem empfehlen kann.
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